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Alpen unter Druck: Gletscher schwinden, Tourismus wächst weiter

Rij Wandelaars

Die Alpen geraten zunehmend unter Druck – durch die Kombination aus Klimawandel und wachsendem Tourismus. Gletscher verschwinden in hohem Tempo, Naturgefahren nehmen zu und gleichzeitig steigen die Besucherzahlen weiter. Laut Experten wird es dadurch immer schwieriger, ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz und Tourismus zu finden.

In Kürze

  • Die Alpen erwärmen sich deutlich schneller als viele andere Regionen in Europa.
  • Gleichzeitig konzentriert sich der Tourismus auf wenige Hotspots, was Natur und Infrastruktur zusätzlich belastet.
  • Experten fordern einen nachhaltigeren Umgang mit den Bergen, um die Alpen langfristig zu schützen.

Alpen erwärmen sich schneller als erwartet

Laut dem österreichischen Klimareport liegt die Temperatur in den Alpen inzwischen 3,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Das hat spürbare Folgen für den gesamten Alpenraum. Gletscher ziehen sich rasant zurück, und in den Ostalpen ist in den vergangenen zwanzig Jahren rund 40 Prozent des Gletschervolumens verschwunden.

 

Auch andere Naturphänomene nehmen zu. WissenschaftlerInnen beobachten häufiger Lawinen, Erdrutsche und instabile Gletscher. Nach Einschätzung von Forschern verlaufen diese Veränderungen schneller als lange erwartet. Die Zahl der Lawinen hat sich in den vergangenen 40 Jahren im Vergleich zu den 4000 Jahren davor verzehnfacht.

Rotslawine
Gletscher ziehen sich zurück und extreme Naturereignisse treten immer häufiger auf.

Mehr Touristen auf den gleichen Flecken

Gleichzeitig wächst der Druck durch den Tourismus. Der Kulturgeograf Werner Bätzing erklärt bei Deutschlandfunk Kultur, dass sich der Alpentourismus auf etwa 300 Hotspots konzentriert, obwohl es in den Alpen rund 6000 Gemeinden gibt. Dadurch geraten manche Bergregionen an ihre Belastungsgrenze. „Die Alpen sind wie ein Patient auf der Intensivstation, der vor allem Ruhe bräuchte“, warnt Bätzing.

 

Auf beliebten Routen und Gipfeln kann es an stark frequentierten Tagen inzwischen so voll werden, dass Wanderer kaum noch Platz haben. Neue Trends wie E-Bikes machen es zudem leichter, höher gelegene Berghütten zu erreichen, was die Besucherzahlen zusätzlich steigen lässt.

In den Alpen wird es immer gefährlicher

Experten weisen außerdem darauf hin, dass die Berge wieder gefährlicher geworden sind. Während zwischen 1900 und 1987 vergleichsweise wenige große Naturkatastrophen registriert wurden, ist seit dem späten Ende der 1980er-Jahre wieder ein deutlicher Anstieg extremer Naturereignisse zu beobachten.

Auch die Zahl der Bergunfälle steigt. Laut Bergsportorganisationen liegt das zum Teil daran, dass mehr unerfahrene Menschen in die Berge gehen.

 

Rettungshubschrauber in den Bergen
© Unsplash / Tim Dennert
Die Anzahl an Bergunglücken steigt jedes Jahr an

Die lokale Bevölkerung profitiert weniger

Obwohl der Tourismus lange eine wichtige Einnahmequelle für Bergdörfer war, profitieren Einheimische laut Forschern immer weniger davon. Große Investitionen in Skigebiete, Lifte und Infrastruktur stammen oft von externen Investoren und Banken. Dadurch fließen Gewinne häufiger aus der Region ab, während der Druck auf Natur und Infrastruktur weiter zunimmt.

Diskussion über die Zukunft des Alpentourismus

Nach Ansicht von Experten braucht es einen anderen Ansatz, um die Alpen zukunftsfähig zu halten. Forscher fordern unter anderem:

  • eine bessere Verteilung des Tourismus auf weniger bekannte Regionen
  • Anpassungen an der Infrastruktur, etwa bei Berghütten und Wanderwegen
  • weniger Autoverkehr, der für rund 75 Prozent der CO₂-Emissionen des Alpentourismus verantwortlich ist

Auch bei Berghütten werden bereits Maßnahmen umgesetzt. So schließen manche Hütten ihre Duschen oder installieren Komposttoiletten, um Wasser zu sparen.

Stau auf dem Fernpass
Der Autoverkehr ist für etwa 75 Prozent der CO₂-Emissionen des Alpentourismus verantwortlich.

Zurück zu mehr Einfachheit in den Bergen

Laut Experten liegt ein Teil der Lösung in einer einfacheren und nachhaltigeren Form des Bergtourismus. Weniger Massentourismus an einzelnen Orten und mehr Fokus auf Natur, Kultur und die lokale Wirtschaft könnten helfen, die Alpen lebenswert zu halten.

Denn wie Forscher es zusammenfassen: Die Alpen bleiben eine einzigartige Naturregion – aber nur dann, wenn Tourismus und Natur künftig besser ins Gleichgewicht gebracht werden.

3235 - Summer - Bettina

Über Bettina

Bettina ist in den Bergen geboren und aufgewachsen. Sie verbringt ihre Sommer am liebsten mit Wandern und Mountainbiken oder in kühlen Bergseen.