Von breiten Felskaskaden bis hin zu Wasserfällen, die fast 150 Meter über steile Bergwände in die Tiefe stürzen: Über ganz Tschechien verteilt finden sich beeindruckend unterschiedliche Wasserfälle. Einige erreichst du nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald, andere nur im Rahmen anspruchsvoller Bergwanderungen. Die acht Wasserfälle in diesem Blogartikel liegen in vier verschiedenen Gebirgsregionen und zeigen eindrucksvoll, wie abwechslungsreich das Wandern in Tschechien sein kann.
Kurz zusammengefasst
- Der Pančava-Wasserfall im Riesengebirge ist mit 148 Metern der höchste Wasserfall Tschechiens.
- Für eine einfache Wanderung zählt der Mumlava-Wasserfall bei Harrachov zu den am leichtesten erreichbaren Zielen.
- Routen wie Bílá Opava und Bílá Strž sind deutlich anspruchsvoller und erfordern gute Wanderschuhe sowie Erfahrung im Bergwandern.
Acht außergewöhnliche Wasserfälle in Tschechien
Tschechien besitzt zwar keine Wasserfälle von der Größenordnung, wie man sie aus Norwegen oder den Alpen kennt. Dennoch beeindrucken sie durch ihre landschaftliche Vielfalt. Das Wasser fließt durch tiefe Gletschertäler, über glatt geschliffenen Granit, vorbei an Holzbrücken und durch dicht bewachsene Schluchten. Die acht vorgestellten Wasserfälle unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Erreichbarkeit und Schwierigkeitsgrad der Wanderungen. Prüfe deshalb vor deiner Tour nicht nur die Streckenlänge, sondern auch die Höhenmeter, den Untergrund und mögliche anspruchsvolle Passagen.
Die Wasserfälle in diesem Blogartikel
1. Pančava – der höchste Wasserfall Tschechiens
Der Pančava-Wasserfall (tschechisch: Pančavský vodopád) liegt im Nationalpark Riesengebirge (Krkonoše). Das Wasser stürzt dort über mehrere Kaskaden insgesamt 148 Meter tief in das Gletschertal Labský důl. Damit ist er der höchste Wasserfall des Landes.
Besonders eindrucksvoll präsentiert sich der Wasserfall im Frühjahr, wenn das Schmelzwasser vom Hochplateau talwärts strömt. Während trockener Sommermonate kann die Wassermenge jedoch deutlich geringer ausfallen.
Unweit der Oberkante befindet sich der Aussichtspunkt Ambrožova vyhlídka. Von dort eröffnet sich ein herrlicher Blick über das tiefe Tal, die umliegenden Bergkämme und einen Teil des Wasserfalls. Einen uneingeschränkten Blick auf die gesamte Fallhöhe von 148 Metern gibt es allerdings nicht, da Geländeform und Naturschutz die Sicht einschränken.
So erreichst du den Pančava-Wasserfall
Der Wasserfall liegt etwa einen Kilometer südlich der Berghütte Labská bouda. Die kürzeste Route führt über das Hochplateau ab der Umgebung von Zlaté návrší. Wer dagegen von Špindlerův Mlýn durch das Tal Labský důl aufsteigt, muss eine deutlich längere Bergwanderung einplanen. Die offizielle Rundtour über die Elbquelle, den Labský-Wasserfall und den Pančava-Wasserfall ist rund 19 Kilometer lang.
Geeignet für: Wanderer mit guter Kondition und Erfahrung auf längeren Bergtouren.
2. Labský-Wasserfall – der erste große Wasserfall der Elbe
Die Elbe entspringt auf der Hochebene Labská louka, unweit der polnischen Grenze. Rund einen Kilometer nach der Quelle erreicht der Fluss den Labský-Wasserfall, der auch als Elbe-Wasserfall bekannt ist.
Das Wasser stürzt zunächst etwa 45 Meter in die Tiefe und fließt anschließend über zahlreiche felsige Stromschnellen durch das Tal Labský důl weiter. Der Wasserfall befindet sich in unmittelbarer Nähe der Berghütte Labská bouda und lässt sich hervorragend mit einer Wanderung zur Elbquelle verbinden.
Die Wassermenge variiert je nach Jahreszeit ebenfalls erheblich. Im Frühjahr sowie nach starken Regenfällen zeigt sich der Wasserfall deutlich beeindruckender als während trockener Sommerperioden.
Kurze Entfernung bedeutet nicht automatisch eine leichte Wanderung
Auch wenn Elbquelle und Wasserfall nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen, befinden sich beide hoch im Riesengebirge. Wer im Tal startet, muss zunächst einen längeren Anstieg bewältigen. Deshalb solltest du immer die gesamte Tour berücksichtigen und nicht nur den letzten Kilometer bis zum Wasserfall.
Geeignet für: Wanderer, die die Elbquelle und mehrere Naturhighlights während einer Bergwanderung miteinander verbinden möchten.
3. Mumlava – bequem von Harrachov erreichbar
Der Mumlava-Wasserfall zählt zu den bekanntesten Wasserfällen Tschechiens. Er liegt etwa einen Kilometer oberhalb von Harrachov und ist über einen gut ausgeschilderten Wanderweg leicht erreichbar.
Das Wasser fließt rund zehn Meter über breite Granitplatten hinab. Durch die jahrhundertelange Bewegung von Wasser und Geröll entstanden im Flussbett beeindruckende runde Erosionskessel, die auch als Riesentöpfe oder Teufelsaugen bezeichnet werden.
Dank der kurzen Wegstrecke dorthin, eignet sich der Mumlava-Wasserfall hervorragend für Familien sowie für Wanderer, die keine lange Bergtour unternehmen möchten. Entsprechend beliebt ist das Ausflugsziel. Wer den Wasserfall in Ruhe genießen möchte, sollte möglichst früh morgens oder außerhalb der Hauptsaison kommen.
Beste Reisezeit für den Mumlava-Wasserfall
Die größte Wassermenge führt der Wasserfall während der Schneeschmelze sowie nach Regenfällen. Im Winter kann er teilweise zufrieren. Dann ist jedoch Vorsicht geboten, da die Wege rund um Harrachov sehr rutschig sein können.
Geeignet für: Familien, EinsteigerInnen und BesucherInnen, die einen Ausflug zu einem Wasserfall mit einer kurzen Wanderung verbinden möchten.
4. Jedlová – idyllische Kaskaden im Isergebirge
Der Bach Jedlová fließt durch das Naturschutzgebiet Jedlový důl nahe Josefův Důl im Isergebirge. Entlang des Bachlaufs befinden sich mehrere kleine Wasserfälle, Stromschnellen und natürliche Wasserbecken. Der größte Wasserfall erreicht eine Höhe von rund fünf Metern.
Ein Naturlehrpfad führt entlang eines Teils des Baches durch den Wald. Statt eines einzelnen hohen Wasserfalls erwartet dich dort eine Reihe malerischer Kaskaden in einem schmalen, dicht bewachsenen Tal.
Besonders eindrucksvoll ist die Landschaft nach der Schneeschmelze oder nach längeren Regenfällen. Während trockener Perioden führen die kleineren Kaskaden deutlich weniger Wasser. Nach Regen können Steine, Wurzeln und Holzstege allerdings sehr rutschig werden.
Geeignet für: Freizeitwanderer, denen eine schöne Waldwanderung wichtiger ist als die Höhe eines einzelnen Wasserfalls.
5. Černá Desná – mehrere Wasserfälle entlang eines Flusses
Beim Ort Desná fließt die Černá Desná vom Stausee Souš durch ein felsiges Tal. Durch den Höhenunterschied entstanden entlang des Flusses zahlreiche Wasserfälle, Stromschnellen und kesselförmige Auswaschungen.
Zu den einzelnen Wasserfällen gehören unter anderem der Plotnový, der Dlouhý, der Bukový und der Hrncový vodopád. Zusammen bilden sie eine abwechslungsreiche Flusslandschaft, in der das Wasser ständig seinen Charakter ändert.
Man kann einen Teil des Flusstals als eigenständige Wanderung erkunden oder die Wasserfälle in eine längere Rundwanderung ab Desná einbeziehen. Dank der Zugverbindungen im Tal lässt sich eine Route ohne Auto planen.
Geeignet für: Wanderer, die auf einer einzigen Tour mehrere kleinere Wasserfälle und Felsformationen sehen möchten.
6. Bílá Opava: Leitern und Brücken unterhalb des Praděd
Die Wanderung durch das Tal der Bílá Opava gehört zu den spektakulärsten Routen im Jeseníky-Gebirge. Der Weg beginnt außerhalb des Kurorts Karlova Studánka und folgt dem Gebirgsbach bergauf in Richtung der Berghütte Barborka und des Gebiets unterhalb des Praděd.
Unterwegs kommt man an verschiedenen Kaskaden und einem fast acht Meter hohen Wasserfall vorbei. Der Weg führt über Holzbrücken, Treppen und Leitern und umfasst felsige und teilweise ausgesetzte Passagen.
In diesem Fall muss man ausdrücklich betonen, dass dies keine einfache Wanderung für jedermann ist. Der offizielle Naturlehrpfad ist etwa sechs Kilometer lang und dauert zwei bis drei Stunden, ohne eine eventuelle Verlängerung zum Gipfel des Praděd. Bei Regen sind die Felsen und Holzkonstruktionen besonders rutschig.
Für wen ist die Route geeignet?
Die Route ist für trittsichere Wanderer gedacht, die an Bergwege gewöhnt sind. Für kleine Kinder, Menschen mit starker Höhenangst und Wanderer, die sich auf nassen Felsen unsicher fühlen, ist die Wahl einer einfacheren Route sinnvoller.
Plane auch im Voraus, wie du zurückkommst. Du kannst denselben Weg hinuntergehen, eine andere Route nehmen oder die Wanderung mit einem Transport aus dem höher gelegenen Gebiet kombinieren. Überprüfe die Fahrpläne kurz vor dem Aufbruch.
Geeignet für: erfahrene und trittsichere Wanderer, die sich nicht vor Leitern und steileren Passagen scheuen.
7. Rešov: ein kurzer Spaziergang zu einer bewaldeten Schlucht
Die Rešov-Wasserfälle liegen im Naturschutzgebiet Nízký Jeseník, südlich von Rýmařov. Der Fluss Huntava fließt hier durch eine enge Schlucht und stürzt über Steinstufen und Kaskaden etwa zehn Meter in die Tiefe.
Vom Parkplatz bei Rešov sind es etwa 1,6 Kilometer bis zu den Wasserfällen. Der Weg dorthin wird als einfach beschrieben und dauert etwa eine halbe Stunde. Rund um die Schlucht führt der Weg über Holzbrücken und Stege.
Die Rešov-Wasserfälle sind daher leichter zugänglich als die Route durch Bílá Opava. Die Abschnitte direkt am Wasser können nach Regen jedoch rutschig sein. Festes Schuhwerk mit Profil ist durchaus empfehlenswert.
Wer länger wandern möchte, hat die Möglichkeit, von Tvrdkov oder Horní Město aus zu starten. Diese Routen sind jeweils etwa 4,9 bzw. 5,8 Kilometer lang, bis man zu den Wasserfällen gelangt.
Geeignet für: Freizeitwanderer und Familien, die eine kurze Tour unternehmen möchten, vorausgesetzt, alle können sicher auf Holzstegen und unebenem Gelände laufen.
8. Bílá Strž – anspruchsvolle Tageswanderung im Böhmerwald
Bílá Strž liegt im Nationalpark Šumava (Böhmerwald) bei Železná Ruda. Der Bach Bílý potok fließt dort über mehrere Kaskaden durch ein bewaldetes, felsiges Tal. Die Wasserfälle erreichen zusammen eine Höhe von rund 14 Metern.
Die offizielle Rundwanderung startet am Špičácké sedlo und ist 18,5 Kilometer lang. Dabei sind rund 547 Höhenmeter zu überwinden. Laut Nationalpark solltest du für die Tour knapp sechs Stunden einplanen. Unterwegs kommst du außerdem am Gletschersee Černé jezero vorbei.
Den Wasserfall selbst kannst du von einem Aussichtspunkt aus bewundern. Aus Rücksicht auf die geschützte Natur und das steile Gelände ist es nicht erlaubt, die markierten Wege zu verlassen oder näher an den Wasserfall heranzuklettern.
Geeignet für: Sportliche Wanderer, die eine anspruchsvolle Tagestour unternehmen möchten und Erfahrung mit längeren Wanderungen in hügeligem oder bergigem Gelände haben.
Welcher Wasserfall passt zu deiner Vorstellung einer Wanderung?
Für eine kurze und vergleichsweise einfache Wanderung sind der Mumlava-Wasserfall und die Rešov-Wasserfälle die beste Wahl. Bei den Jedlová-Wasserfällen stehen dagegen die idyllische Waldlandschaft und die vielen kleinen Kaskaden im Mittelpunkt. Der Pančava-Wasserfall und der Labský-Wasserfall eignen sich besonders für längere Bergwanderungen im Riesengebirge. Die Route durch die Bílá Opava ist technisch die anspruchsvollste Tour dieser Auswahl. Leitern, Holzbrücken und felsige Passagen verlangen Trittsicherheit und Bergerfahrung. Die Wanderung zur Bílá Strž stellt vor allem aufgrund ihrer Länge und der vielen Höhenmeter hohe Anforderungen an die Kondition.
Wann ist die beste Reisezeit für Wasserfälle in Tschechien?
Die meisten Wasserfälle führen im Frühjahr die größte Wassermenge. Schneeschmelze und Regen sorgen dann für besonders eindrucksvolle Wasserfälle. Auf höher gelegenen Wanderwegen im Riesengebirge und im Jeseník-Gebirge kann allerdings bis weit ins Frühjahr hinein noch Schnee liegen. Von Ende Mai bis September sind die meisten Wanderwege deutlich besser begehbar. Nach längeren Trockenperioden im Sommer führen vor allem kleinere Bäche und Kaskaden oft nur wenig Wasser. Im Herbst sorgen Regenfälle und bunt gefärbte Wälder für eine besonders schöne Atmosphäre. Gleichzeitig werden viele Wege jedoch rutschiger.
Die beste Reisezeit im Überblick
- April und Mai: Besonders wasserreiche Wasserfälle, Schneereste in höheren Lagen möglich, teilweise nasse und rutschige Wanderwege
- Juni: Gute Kombination aus hoher Wasserführung und gut begehbaren Wanderwegen, ideale Zeit für viele Wanderungen
- Juli und August: Die meisten touristischen Einrichtungen haben geöffnet, beliebte Wasserfälle sind deutlich stärker besucht
- September und Oktober: weniger BesucherInnen, wunderschöne Herbstlandschaften, höhere Regenwahrscheinlichkeit und kürzere Tage
Fazit: Die schönsten Wasserfälle Tschechiens bieten Natur für jeden Wanderer
Ob gemütlicher Spaziergang oder anspruchsvolle Bergtour – Tschechiens Wasserfälle bieten für nahezu jeden Wandertyp das passende Naturerlebnis. Wer einen leicht erreichbaren Wasserfall sucht, wird am Mumlava-Wasserfall oder bei den Rešov-Wasserfällen fündig. Anspruchsvolle Bergwanderer kommen dagegen am Pančava-Wasserfall, dem höchsten Wasserfall des Landes, oder auf der spektakulären Route durch die Bílá Opava voll auf ihre Kosten.
Auch die weniger bekannten Wasserfälle wie Jedlová, Černá Desná oder Bílá Strž überzeugen mit abwechslungsreichen Landschaften, ruhigen Wanderwegen und eindrucksvollen Naturkulissen.
Egal, ob im Frühling mit tosenden Wassermassen, im Sommer während ausgedehnter Wanderungen oder im farbenprächtigen Herbst, die Wasserfälle Tschechiens gehören zu den schönsten Naturzielen des Landes und sind eine ideale Ergänzung für jeden Wanderurlaub.