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Gut vorbereitet in die Berge: Checkliste vor dem Start

Eine sichere Bergwanderung beginnt bereits, bevor du den Wanderweg betrittst. Die reine Streckenlänge sagt nur wenig aus: Höhenmeter, Gelände, Wetter und die aktuellen Bedingungen bestimmen, wie anspruchsvoll eine Route tatsächlich ist. Mit diesen acht Checkpunkten passt du die Wanderung an deine Erfahrung, die Gruppe und die Bedingungen des jeweiligen Tages an. So bist du bestens auf deine Tour vorbereitet und weißt auch, wann Umkehren die klügere Entscheidung ist.

1. Wähle eine Bergwanderung, die zu deinem Können passt

Achte bei der Planung einer Wanderung in den Bergen nicht nur auf die Anzahl der Kilometer. Eine kurze Route mit einem steilen Anstieg, losem Geröll und vielen Höhenmetern kann deutlich anspruchsvoller sein als eine längere Wanderung auf breiten, nahezu ebenen Wegen.

 

Prüfe deshalb immer:

  • Die Streckenlänge und die angegebene Gehzeit
  • Die Anzahl der Auf- und Abstiegs-Höhenmeter
  • Den Schwierigkeitsgrad
  • Die Beschaffenheit des Untergrunds
  • Steile oder ausgesetzte Passagen
  • Eventuelle Schneefelder, Drahtseile oder Leitern

Berücksichtige auch den Abstieg. Langes Bergabgehen belastet Knie, Oberschenkel und Konzentration erheblich. Außerdem erhöht Müdigkeit das Risiko zu stolpern oder auszurutschen. Machst du die erste Wanderung deines Urlaubs, solltest du mit einer eher kurzen und einfachen Route beginnen. Der am wenigsten erfahrene oder am wenigsten fitte Wanderer der Gruppe bestimmt letztlich, welche Tour geeignet ist.

2. Prüfe die Wegbedingungen und das Bergwetter

Eine Routenbeschreibung zeigt, wie eine Wanderung normalerweise aussieht, sagt jedoch nichts darüber aus, in welchem Zustand sich der Weg heute befindet. Regen, Sturm, Steinschlag, Wartungsarbeiten oder Schneefelder können einen Wanderweg vorübergehend deutlich schwieriger oder sogar unpassierbar machen.

 

Informiere dich deshalb unmittelbar vor dem Start über die aktuellen Wegbedingungen. Informationen findest du häufig auf der Website der Region, bei einer Berghütte, im örtlichen Tourismusbüro oder über eine zuverlässige Wander-App. Prüfe außerdem, ob Hütten, Brücken und Bergbahnen geöffnet sind.

 

Vor allem zu Beginn des Sommers ist es möglich, dass auf höher gelegenen und schattigen Routen noch Altschneefelder liegen. Solche Schneefelder können hart und rutschig sein und eine eigentlich einfache Wanderung plötzlich deutlich anspruchsvoller gestalten.

 

Sieh dir außerdem den lokalen Bergwetterbericht an und nicht nur die Wettervorhersage für den Ort im Tal. Achte dabei besonders auf:

  • Den erwarteten Zeitpunkt von Regenschauern und Gewittern
  • Windstärke und Windböen
  • Die Temperatur auf der Höhe deiner Route
  • Bewölkung und Sichtverhältnisse
  • Die Schnee- oder Frostgrenze

Kontrolliere die Wettervorhersage am Morgen deiner Wanderung noch einmal. Bei Hitze oder der Gefahr von Nachmittagsgewittern ist ein früher Start oft die beste Wahl. Sind die Aussichten unsicher, solltest du eine kürzere, tiefer gelegene oder besser geschützte Route wählen.

3. Starte früh und plane eine Alternative

Eine gute Vorbereitung besteht nicht nur darin, eine passende Route auszuwählen. Überlege dir schon vor dem Start, was du tust, wenn das Wetter umschlägt, jemand aus der Gruppe erschöpft ist oder sich ein Weg als unpassierbar herausstellt.

 

Prüfe, an welchen Stellen sich die Tour abkürzen lässt, wo sich Berghütten und Bergbahnen befinden und wann die letzte Talfahrt stattfindet. Eine verpasste Bergbahn kann bedeuten, dass du unerwartet mehrere hundert zusätzliche Höhenmeter zu Fuß absteigen musst.

 

Plane immer genügend Zeit für Pausen, mögliche Orientierungsfehler und unvorhergesehene Verzögerungen ein. Vereinbart gegebenenfalls einen Zeitpunkt, bis zu dem ein bestimmter Punkt erreicht sein muss. Ist die Gruppe später als geplant, solltet ihr umkehren oder eine kürzere Variante wählen.

 

Ein früher Start verschafft nicht nur mehr Zeit, sondern sorgt oft auch für angenehmere Temperaturen und ruhigere Wanderwege.

4. Passe Tempo und Route an die gesamte Gruppe an

Besprecht vor der Wanderung, wie viel Erfahrung jeder Einzelne mitbringt. Frage dabei nicht nur nach der Kondition, sondern auch nach Höhenangst, Trittsicherheit, Knieproblemen und Erfahrungen auf schmalen oder steilen Wegen.

 

Beginnt in einem ruhigen Tempo und wählt eine Geschwindigkeit, die sich über längere Zeit durchhalten lässt. Wer bereits beim ersten Anstieg völlig außer Atem gerät, verbraucht zu schnell seine Kräfte. Kurze, regelmäßige Pausen sind meist sinnvoller, als erst anzuhalten, wenn jemand völlig erschöpft ist.

 

Kommuniziert während der gesamten Tour miteinander. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schmerzen oder Unsicherheit sind klare Gründe, das Tempo zu reduzieren, die Route zu verkürzen oder umzukehren.

 

Lass schnellere Wanderer nicht weit vorauslaufen. Besonders auf unübersichtlichen oder technisch anspruchsvollen Passagen sollte die Gruppe zusammenbleiben. Das Ziel ist nicht, den Gipfel um jeden Preis zu erreichen, sondern gemeinsam sicher zurückzukehren.

5. Trage Schuhe und Kleidung, die zur Route passen

Gut eingelaufene Wanderschuhe mit ausreichend Profil bieten Halt auf nassem Gras, Schlamm, losem Geröll und felsigen Wegen. Ob hohe oder niedrige Wanderschuhe sinnvoll sind, hängt vom Gelände, der Dauer der Tour und deiner eigenen Stabilität ab.

 

Niedrige Wanderschuhe eignen sich für einfache und gut ausgebaute Wege. In anspruchsvollerem Gelände und auf längeren Wanderungen bieten stabilere Schuhe häufig mehr Halt. Neue Wanderschuhe solltest du niemals zum ersten Mal auf einer langen Bergwanderung tragen.

 

Kleide dich nach dem Zwiebelprinzip. Während eines steilen Anstiegs kann es sehr warm werden, auf einem windigen Gipfel oder während einer Pause kühlt der Körper jedoch schnell aus. Deshalb solltest du selbst an sonnigen Tagen immer eine wind- und wasserdichte Jacke dabeihaben.

 

Ein Regenschirm ist auf schmalen oder windigen Bergwegen kein geeigneter Ersatz für Regenkleidung. Du solltest deine Hände frei haben und auch bei starkem Wind gut geschützt sein.

6. Nimm nur das mit, was du unterwegs wirklich brauchst

Was in deinen Wanderrucksack gehört, hängt von der Dauer der Tour, der Höhenlage, der Wettervorhersage und der Abgeschiedenheit der Route ab. Für eine normale Tageswanderung solltest du mindestens dabeihaben:

  • ausreichend Essen und Getränke sowie eine kleine Reserve
  • eine wind- und wasserdichte Jacke
  • zusätzliche warme Kleidung
  • Sonnenschutz
  • ein kleines Erste-Hilfe-Set und Blasenpflaster
  • notwendige Medikamente
  • ein vollständig aufgeladenes Smartphone und eine Powerbank
  • eine offline verfügbare Route oder Wanderkarte
  • eine Stirnlampe und eine Rettungsdecke
  • Ausweis- und Versicherungsunterlagen

Nimm nicht zu wenig mit, nur weil die Wanderung auf dem Papier kurz erscheint. Durch eine falsche Abzweigung, schlechtes Wetter oder eine Verletzung kann eine Tour deutlich länger dauern als geplant.

 

Ein unnötig schwerer Rucksack ist allerdings ebenfalls keine gute Idee. Passe den Inhalt an die Route an und lasse alles zu Hause, was keinen praktischen Nutzen hat.

 

Wie viel Wasser du benötigst, hängt von Temperatur, Anstrengung und Dauer der Wanderung ab. Informiere dich vorher, wo du zuverlässig Wasser nachfüllen kannst, und gehe nicht automatisch davon aus, dass Wasser aus einem Bach oder einer Quelle trinkbar ist.

7. Sorge für Offline-Navigation und teile deine Route

Eine Wander-App ist nur dann hilfreich, wenn Karte und Route auch ohne Internetverbindung verfügbar sind. Lade das benötigte Kartenmaterial deshalb bereits vor der Tour herunter und überprüfe, ob alles auch im Flugmodus sichtbar bleibt.

 

Bei längeren, abgelegenen oder anspruchsvollen Wanderungen solltest du zusätzlich eine gedruckte Wanderkarte mitnehmen. Informiere dich im Voraus über wichtige Wegkreuzungen, Berghütten und mögliche Abkürzungen.

 

Wenn du über längere Zeit keine Wegmarkierungen mehr siehst, solltest du nicht einfach weiterlaufen. Kehre zum letzten Punkt zurück, an dem du dir sicher warst, auf dem richtigen Weg zu sein. Verlasse dich außerdem nicht blind auf Wanderer vor dir – sie könnten eine andere Route gewählt haben oder sich ebenfalls verirrt haben.

 

Informiere jemanden darüber, welche Route du gehst, wo du startest, wann du voraussichtlich zurück kommst und mit wem du unterwegs bist. Das ist besonders wichtig, wenn du alleine wanderst. Teile auch mit, wenn du unterwegs entscheidest, deine Route zu ändern.

8. Kehre rechtzeitig um und kenne deinen Notfallplan

Ein Umkehren ist sinnvoll, wenn:

  • sich das Wetter schneller verschlechtert als erwartet,
  • die Route schwieriger ist als angegeben,
  • jemand aus der Gruppe sehr erschöpft ist,
  • sich jemand unsicher fühlt oder krank wird,
  • ihr deutlich hinter eurem Zeitplan zurückliegt,
  • Wegmarkierungen fehlen,
  • sich ein Schneefeld oder eine Passage nicht sicher anfühlt,
  • nicht mehr genügend Zeit für den Abstieg bleibt.

Warte nicht, bis aus einer schwierigen Situation ein Notfall wird. Den Gipfel oder die Berghütte kannst du auch an einem anderen Tag besuchen.

 

Bei einem schweren Unfall oder einer akuten Notsituation wählst du den Notruf 112. Gib dabei möglichst genau an, wo du dich befindest, was passiert ist, wie viele Personen Hilfe benötigen und wie die Wetterbedingungen vor Ort sind.

 

Versuche, deinen Standort mithilfe einer Wander-App, einer Karte, von Koordinaten, einem Höhenmesser oder markanten Geländepunkten möglichst genau zu bestimmen. Halte verletzte Personen warm und achte darauf, dass die Gruppe sich nicht trennt.

 

Überprüfe außerdem bereits vor der Abreise, ob deine Reiseversicherung Bergwanderungen, Rettungseinsätze und mögliche Bergungskosten ausreichend abdeckt. Die Versicherungsbedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter und Art der Aktivität.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum sicheren Bergwandern

Woran erkennst du, ob eine Bergwanderung für dich geeignet ist?

Betrachte Streckenlänge, Höhenmeter, Gehzeit, Gelände und Schwierigkeitsgrad immer im Zusammenhang. Berücksichtige außerdem das Wetter, die aktuellen Wegbedingungen und die Erfahrung aller Teilnehmer. Im Zweifel solltest du eine kürzere und einfachere Route wählen.

Ist es sicher, alleine in den Bergen zu wandern?

Erfahrene Wanderer können alleine unterwegs sein, sollten ihre Tour jedoch besonders sorgfältig planen. Teile immer deine Route und die geplante Rückkehrzeit mit, nimm ausreichend Notfallausrüstung mit und wähle kein Gelände, das deine Fähigkeiten übersteigt. Für AnfängerInnen sowie für abgelegene oder anspruchsvolle Touren ist das Wandern in Begleitung die bessere Wahl.

Reicht eine Wander-App zur Navigation aus?

Nicht immer. Lade Karten und Routen vor der Tour für die Offline-Nutzung herunter und nimm bei längeren oder anspruchsvolleren Wanderungen möglichst zusätzlich eine gedruckte Wanderkarte mit. Ein Smartphone kann leer werden, beschädigt werden oder sich außerhalb des Mobilfunknetzes befinden.

Wann sollte man während einer Bergwanderung umkehren?

Kehre um, sobald sich das Wetter verschlechtert, die Route schwieriger ist als erwartet, jemand aus der Gruppe erschöpft ist oder ihr deutlich hinter eurem Zeitplan zurückliegt. Ein vorher vereinbarter Zeitpunkt zum Umkehren erleichtert diese Entscheidung erheblich.

Miriam

Über Miriam

Für Miriam müssen es keine großen Höhenmeter sein. Abwechslungsreich und gespickt mit schönen Aussichten sind die perfekten Wanderwege für sie und wenn am Ende noch eine schöne Hütte wartet, ist der Tag in den Bergen perfekt.