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Urlauber reisen wegen Kuhglocken aus italienischem Bergdorf ab

Kuh auf der Wiese

In dem norditalienischen Bergdorf Serina haben einige Urlauber ihren Aufenthalt offenbar vorzeitig abgebrochen. Der Grund: das Läuten von Kuhglocken. Die Tiere grasten in der Nähe von Ferienunterkünften und waren auch nachts und am frühen Morgen zu hören. Bürgermeister Michele Villarboito will trotzdem nicht eingreifen. Kühe, Bergwiesen und ihre Geräusche gehören seiner Meinung nach zum Alltag in einem Bergdorf.

In Kürze

  • Einige Urlauber sollen Serina wegen des Lärms von Kuhglocken früher verlassen haben.
  • Besonders nachts und am frühen Morgen fühlten sie sich offenbar gestört.
  • Der Bürgermeister will nicht eingreifen: Weidende Kühe gehören für ihn zum Leben in den Bergen.

Kuhglocken stören die Nachtruhe

Serina liegt im Val Serina in der Provinz Bergamo. Im Sommer grasen Kühe auf den Wiesen rund um das Dorf und in der Nähe verschiedener Ferienunterkünfte. Einige Gäste beklagten sich darüber, dass die Metallglocken fast durchgehend zu hören gewesen seien, vor allem in der Nacht und bei Tagesanbruch.


Nach italienischen Medienberichten entschieden sich einige Urlauber daraufhin, früher abzureisen. Wie viele Menschen ihren Aufenthalt tatsächlich abgebrochen haben, wurde nicht bekannt. Die Diskussion begann mit Beschwerden von Gästen und bekam zusätzliche Aufmerksamkeit, nachdem der Bürgermeister in den sozialen Medien mit einer satirischen Abbildung darauf reagierte.

Bürgermeister will die Natur nicht stummschalten

Bürgermeister Michele Villarboito sagt, seine Tür stehe für Gespräche mit Besuchern offen. Einen Grund, die weidenden Tiere oder die Bauern einzuschränken, sieht er jedoch nicht. Er könne keine Verordnung unterschreiben, um die Natur oder die Tiere auf den Bergwiesen zum Schweigen zu bringen.


Seine Botschaft an Urlauber lautet sinngemäß: Kuhglocken und der Duft der Wiesen sind im Preis inbegriffen. Für Villarboito geht es nicht um Baulärm oder Maschinen, sondern um Geräusche, die zum Leben in einem Bergdorf gehören.


Er vergleicht die Beschwerden mit einem Urlaub am Meer, bei dem sich jemand über das Rauschen der Wellen ärgert. Wer sich für die Berge entscheidet, müsse nach Ansicht des Bürgermeisters auch mit Vieh, Landwirtschaft, Gerüchen und Arbeiten auf den Wiesen rechnen.

Keine offenen Bergwiesen ohne Kühe

In und um Serina gibt es laut dem Bürgermeister rund 500 Kühe. Die Tiere sind nicht nur Teil der Bergkulisse, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der lokalen Landwirtschaft. Durch die Beweidung bleiben die Wiesen offen, Büsche und junge Bäume werden zurückgedrängt. Die Milch wird außerdem für lokale Milchprodukte verwendet.


Die Glocken haben laut Villarboito auch eine praktische Funktion. Bauern können ihre Tiere damit leichter wiederfinden, wenn sie sich auf großen oder teilweise bewaldeten Weiden verteilen. Die Aussage, dass die Glocken auch vor Raubtieren schützen, stammt vom Bürgermeister und ist keine unabhängig bestätigte Erklärung für ihren Einsatz.


Es ist nicht das erste Mal, dass Tiergeräusche in der Umgebung zu Beschwerden führen. Bereits im vergangenen Jahr gab es im nahe gelegenen Selvino eine Diskussion über die Glocke eines Pferdes. Villarboito sieht darin eine wachsende Distanz zwischen städtischen Erwartungen und dem Alltag in Berggebieten.

Berge sind kein stiller Ferienpark

Nach Ansicht des Bürgermeisters betrachten manche Besucher die Natur zunehmend wie eine unveränderliche Kulisse oder ein ruhiges Resort. In Wirklichkeit sind viele Alpenlandschaften Arbeitsräume, in denen Landwirtschaft, Tourismus und Natur nebeneinander existieren. Ohne Weidetiere würden zahlreiche offene Wiesen mit der Zeit verbuschen.


Für Urlauber, die empfindlich auf Geräusche reagieren, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Lage der Unterkunft. Ein Zimmer neben einem Bauernhof, einer Kirche, einer Durchgangsstraße oder einer Almwiese kann auch nachts weniger ruhig sein als eine abgelegene Unterkunft am Waldrand.


In Serina scheint die Diskussion vorerst entschieden. Die Gemeinde wird Kuhglocken nicht verbieten, und die Tiere bleiben auf den Bergwiesen. Wer dadurch schlecht schläft, dem rät der Bürgermeister vor allem zu geschlossenen Fenstern oder Ohrstöpseln.