Zwei deutsche Bergsteiger sind am Hohen Dachstein in Österreich in eine tiefe Gletscherspalte gestürzt und erst nach einer mehr als 13-stündigen Rettungsaktion geborgen worden. Einer von ihnen konnte etwa eine halbe Stunde nach dem Sturz mit seinem Handy die Rettungskräfte alarmieren. Daraufhin begann eine groß angelegte nächtliche Rettungsaktion. Dichter Nebel und starker Wind hielten die Rettungshubschrauber den größten Teil der Nacht am Boden. Dadurch mussten mehr als 35 Einsatzkräfte die beiden Männer mit Seiltechniken aus dem stark zerklüfteten Gletscher bergen.
Kurz zusammengefasst:
- Die beiden deutschen Bergsteiger im Alter von 32 und 39 Jahren stürzten am Samstag, den 5. September, bis zu 20 Meter tief in eine Gletscherspalte.
- Einer von ihnen alarmierte gegen 17.30 Uhr die Rettungskräfte, etwa eine halbe Stunde nach dem Sturz.
- Wegen dichten Nebels und starken Winds konnten Hubschrauber den Einsatzort den größten Teil der Nacht nicht erreichen.
- Die Rettungsaktion wurde erst gegen 06.40 Uhr beendet, mehr als 13 Stunden nach dem Notruf.
Sturz beim Abstieg über den Gletscher
Die beiden Freunde aus Deutschland erreichten am Samstagnachmittag, den 5. September, über den Schulteranstieg den Gipfel des Hohen Dachsteins. Für den Abstieg wählten sie den Randkluftsteig, einen Klettersteig, der auf etwa 2.700 Metern Höhe am oberen Rand des stark zerklüfteten Hallstätter Gletschers endet. Bis zu diesem Punkt hatten beide Männer kaum Schwierigkeiten; laut Berichten waren sie für die Kletterpassagen gut ausgerüstet.
Um das steile Eisfeld unterhalb des Klettersteigs zu überqueren, stiegen sie gemeinsam als Seilschaft ab und waren mit rund zehn Metern Seil miteinander verbunden. Auf dem etwa 40 Grad steilen Gletscherhang verlor der hintere Bergsteiger den Halt auf dem Eis und stürzte. Dabei riss er seinen Seilpartner mit. Gemeinsam rutschten sie rund hundert Meter über den Gletscher und stürzten anschließend in eine Spalte. Einer kam in etwa 15 Metern Tiefe zum Stillstand, der andere in rund 20 Metern.
Notruf aus der Gletscherspalte
Trotz ihrer Verletzungen gelang es einem der Männer gegen 17.30 Uhr, Alarm zu schlagen, etwa eine halbe Stunde nach dem Sturz. Die steirische Landeswarnzentrale alarmierte um 17.35 Uhr die Bergrettung Ramsau am Dachstein. Die Einsatzkräfte machten sich zunächst auf den Weg in das Gebiet bei der Seethalerhütte, konnten die Verletzten dort jedoch auch durch wiederholtes Rufen nicht finden. Sie setzten ihren Weg über den stark zerklüfteten Gletscher in Richtung Dachstein-Randkluft fort und konnten die beiden schließlich durch Zurufen lokalisieren.
Schwieriges Gelände und mehr als 35 Einsatzkräfte
Das zerklüftete und von zahlreichen Spalten durchzogene Gelände machte es besonders schwierig, zu den beiden Männern vorzudringen. Die Rettungskräfte mussten zahlreiche Seilverankerungen einrichten und Eisschrauben setzen, um sich dem Unfallort sicher nähern zu können. Im Laufe des Einsatzes waren mehr als 35 alpine Rettungskräfte beteiligt, darunter Mitglieder der Bergrettung Ramsau, der Alpinpolizei sowie Einsatzkräfte der steirischen Bergrettung, die sich zufällig wegen einer Übung in der Nähe befanden und sich der Rettungsaktion anschlossen.
Das Wetter schränkte die Möglichkeiten aus der Luft stark ein. Wegen des dichten Nebels konnte der Rettungshubschrauber Christophorus 14 mit einem Flugretter und einem Notarzt an Bord den Unfallort nicht direkt erreichen. Stattdessen wurde ein Polizeihubschrauber für Pendelflüge eingesetzt. Als der Nebel noch dichter wurde, brachten die Rettungskräfte Personal und Material mit der Gondel der Dachstein-Gletscherbahn auf den Berg. Dem Betreiber wurde im Anschluss für die Unterstützung bei der Versorgung des Einsatzes während der Nacht gedankt.
Unterkühlt und mit Seilen nach oben geborgen
Als die Rettungskräfte die beiden Männer erreichten, waren beide stark unterkühlt. Medizinische Teams versuchten zunächst, ihre Körpertemperatur zu stabilisieren, und leisteten Erste Hilfe, bevor die aufwendige Bergung beginnen konnte. Anschließend wurden die beiden aus der Gletscherspalte gezogen und vorsichtig an Seilen über die steile Gletscherpassage nach unten gebracht, wobei jeder Schritt von Rettungskräften begleitet wurde.
Einer der Bergsteiger war nur leicht verletzt und konnte mit einem Pistenbully vom Berg gebracht werden. Zur weiteren Behandlung wurde er dem Roten Kreuz in Schladming übergeben. Der andere Mann war schwer verletzt und konnte nicht über den Boden transportiert werden. Wegen des dichten Nebels und starken Winds konnte ihn der Rettungshubschrauber erst gegen 03.30 Uhr erreichen. Anschließend wurde er in das Unfallkrankenhaus Salzburg geflogen.
Rettung erst nach 13 Stunden beendet
Der Einsatz der Bergrettung Ramsau wurde um 06.40 Uhr offiziell beendet, rund 13 Stunden nach der ersten Alarmierung. Verantwortliche der steirischen Bergrettung und der österreichischen Alpinpolizei betonten, wie anspruchsvoll der Einsatz aufgrund der Kombination aus dichtem Nebel, starkem Wind und dem technisch schwierigen Gletschergelände gewesen war.