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Deutlich mehr Wanderer in den Alpen in Schwierigkeiten: Hitze fordert ihren Tribut

Wanderer im Biosphärenpark Entlebuch

Hohe Temperaturen und viele Urlauber in den Bergen sorgen in diesem Sommer für arbeitsreiche Tage bei den Rettungsdiensten in verschiedenen Teilen der Alpen. Im österreichischen Vorarlberg stieg die Zahl der Einsätze der Bergrettung im Juli um fast 40 Prozent. Auch aus der Schweiz und Italien kommen Signale, dass es während warmer Perioden besonders viel zu tun gibt. Erschöpfung, Dehydrierung und Kreislaufprobleme spielen dabei immer wieder eine Rolle.

In Kürze

  • In Vorarlberg stieg die Zahl der Bergrettungseinsätze im Juli von 76 auf 106.
  • Die Schweizer Rega flog an einem heißen Wochenende mehr als 100 Rettungseinsätze.
  • Im italienischen Aostatal sorgten Hitze und Bergsportunfälle für Rekordandrang in der Notaufnahme.

Fast 40 Prozent mehr Rettungseinsätze in Vorarlberg

Die deutlichsten Zahlen kommen aus Vorarlberg. Im Juni lag die Zahl der Einsätze der Bergrettung dort mit 70 noch fast auf dem Niveau von Juni 2025, als 68 Einsätze registriert wurden. Einen Monat später änderte sich das Bild deutlich. Im Juli 2026 rückte die Bergrettung Vorarlberg 106 Mal aus, gegenüber 76 Einsätzen im Juli des Vorjahres. Das entspricht einem Anstieg von fast 40 Prozent.


Nach Angaben von Martin Burger von der Bergrettung Vorarlberg spielten die hohen Temperaturen dabei eine wichtige Rolle. Auch weiter oben in den Bergen war es an den heißen Tagen warm. Vor allem die Zahl der Rettungen wegen Erschöpfung und daraus resultierender Folgen wie Stürze nahm zu. Teilweise mussten erschöpfte Wanderer sogar bei Berghütten abgeholt werden, weil sie nicht mehr selbstständig absteigen konnten.

Auch Rettungshubschrauber deutlich häufiger im Einsatz

Auch aus der Luft war der Juli ein arbeitsreicher Monat. Die Rettungshubschrauber in Vorarlberg flogen zusammen 176 Einsätze. Im Juli 2025 waren es 110. Beim Hubschrauber Gallus 1 verdoppelte sich die Zahl der Einsätze fast: von 41 auf 81.


Für August liegen die Zahlen noch nicht vollständig vor. Bis zum 23. August stand die Bergrettung in Vorarlberg bei 81 Einsätzen, während im gesamten August des Vorjahres 91 Einsätze registriert wurden.

Mehr als 100 Rega-Einsätze an heißem Wochenende in der Schweiz

Auch in der Schweiz führte warmes und sonniges Sommerwetter früher in der Saison zu einem besonders arbeitsreichen Wochenende für die Luftrettung. Am letzten Juniwochenende koordinierte die Rega, die Schweizer Organisation für Luftrettung und medizinische Notfälle in den Bergen, innerhalb von zwei Tagen mehr als 100 Einsätze in der ganzen Schweiz.


Dabei ging es nicht ausschließlich um Wanderer. Die Hubschrauber wurden unter anderem bei Sport- und Bergunfällen, Verkehrsunfällen und akuten medizinischen Problemen eingesetzt. Auch blockierte Wanderer wurden aus den Bergen geholt. Laut Rega hängen die Einsatzzahlen stark mit dem Wetter, der Zahl der Menschen im Freien und der touristischen Auslastung in der Schweiz zusammen.

Rekordandrang durch Hitze im italienischen Aostatal

Ein ähnliches Bild zeigte sich Ende Juli auf der italienischen Seite der Alpen. Während einer Hitzewelle kam es in der Notaufnahme in Aosta zu einem Rekordandrang. Auf dem Höhepunkt befanden sich dort etwa 60 Patienten gleichzeitig, mehr als während der Spitzenmomente im August 2025.


Nach Angaben des regionalen Gesundheitsdienstes hing ein großer Teil des Patientenaufkommens mit Unfällen bei Sport und Aktivitäten im Hochgebirge zusammen. Zusätzlich kamen Menschen mit hitzebedingten Beschwerden, darunter Dehydrierung und Hitzschlag. Die Kombination aus hohen Temperaturen und großem touristischem Andrang wurde ausdrücklich als Ursache für die außergewöhnliche Situation genannt.


Auch in Südtirol steigt der Druck auf die Bergrettung seit Längerem. Allein rund um Meran kommt es durchschnittlich zu etwa 180 Rettungseinsätzen pro Jahr. Nach Angaben der örtlichen Bergrettung nimmt die Zahl der Einsätze allmählich zu, je mehr auch die touristischen Übernachtungen steigen. Nur 20 bis 25 Prozent der Menschen, die Hilfe anfordern, kommen selbst aus Südtirol.

Hitze in den Bergen wird leicht unterschätzt

Die Zahlen aus den verschiedenen Alpenregionen lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Jeder Rettungsdienst erfasst Einsätze auf andere Weise, und nicht jeder Einsatz ist unmittelbar eine Folge der Hitze. Trotzdem zeigen die Beispiele aus Österreich, der Schweiz und Italien, dass warme und stark besuchte Sommertage den Rettungsdiensten viel abverlangen.


Dabei wird die Temperatur in der Höhe leicht unterschätzt. Wer im Tal Temperaturen über 30 Grad sieht, erwartet auf 1500 oder 2000 Metern oft angenehme Abkühlung. Während einer Hitzewelle kann es dort jedoch ebenfalls sehr warm werden. Auf einem langen Anstieg, besonders an einem sonnigen Südhang, kann die Kombination aus Anstrengung und Wärme schnell belastend werden.


Früh starten, ausreichend trinken und Länge sowie Schwierigkeit der Wanderung an die Bedingungen anpassen, ist an solchen Tagen besonders wichtig. Außerdem sollte man nicht nur auf die Temperatur im Tal schauen, sondern auf die Wetterprognose für die Höhe, auf der man tatsächlich unterwegs ist.

Auch im Herbst Risiko für viele Rettungseinsätze

Mit dem September vor der Tür ist die intensive Wandersaison außerdem noch nicht vorbei. Die Bergrettung Vorarlberg erwartet, dass bei längeren Schönwetterphasen auch im Herbst viele Menschen in die Berge gehen. Gleichzeitig ändern sich die Bedingungen schnell. Die Tage werden kürzer, und weiter oben kann es nachts bereits wieder frieren. Dadurch können Wanderwege nass, rutschig oder stellenweise vereist sein.

 

Eine gute Tourenplanung bleibt deshalb wichtig, auch wenn die größte Sommerhitze vorbei ist.

Icoon IDB

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