Zwei Touristen, die ferngesteuerte Autos über den schmalen Wanderweg zum Lago di Sorapis fahren lassen: Bilder der ungewöhnlichen Szene sorgen in Italien für Diskussionen. Vor allem auf den ausgesetzten Passagen mussten andere Wanderer auf die RC-Autos auf dem Weg Rücksicht nehmen. Auch der Hüttenwirt des Rifugio Vandelli sprach die Männer darauf an, stieß dabei aber offenbar auf wenig Verständnis.
Der Vorfall ereignete sich auf der beliebten Wanderroute vom Passo Tre Croci zum Lago di Sorapis, nahe Cortina d’Ampezzo. Der leuchtend blaue Bergsee zählt zu den bekanntesten Wanderzielen in den Dolomiten und zieht im Sommer viele Besucher an.
In Kürze
- Zwei Touristen ließen ferngesteuerte Autos über den Wanderweg zum Lago di Sorapis fahren.
- Auf schmalen und ausgesetzten Passagen mussten andere Wanderer auf die Fahrzeuge achten.
- Als der Hüttenwirt sie ansprach, sollen die Männer geantwortet haben, dass „die Berge frei sind“.
Mit ferngesteuerten Autos Richtung Sorapis
Die beiden Männer, laut italienischen Medien zwischen 35 und 40 Jahre alt, nahmen zwei kleine ferngesteuerte Autos mit auf ihre Tour. Sie ließen die Fahrzeuge über den Wanderweg in Richtung Lago di Sorapis fahren.
Auf breiten Abschnitten mag das zunächst harmlos wirken, doch die Route hat auch schmale und ausgesetzte Passagen. An mehreren Stellen verläuft der Weg entlang steiler Hänge, zusätzlich sind Stahlseile angebracht, an denen sich Wanderer festhalten können.
Genau dort mussten andere Besucher nach den Berichten auf die kleinen Autos achten, die über den Boden fuhren. Das Passieren ist auf manchen Abschnitten ohnehin schwierig, besonders wenn viel los ist. Nach aktuellem Stand kam es dabei zu keinem Unfall.
Hüttenwirt spricht Touristen an
Auch Emilio Pais Bianco, Hüttenwirt des Rifugio Vandelli am Lago di Sorapis, traf die Männer unterwegs. Er bat sie, die RC-Autos wegzupacken. Die Touristen sollen darüber wenig erfreut gewesen sein und mit den Worten reagiert haben: „Die Berge sind frei.“
Diese Aussage rief anschließend Carlo Alberto Zanella auf den Plan, den Präsidenten der Südtiroler Sektion des Italienischen Alpenvereins CAI. Nach seiner Einschätzung liegt genau darin das Problem. Seine Botschaft: Die Berge sind nicht einfach frei verfügbar, sie gehören allen. Wer Wanderwege und Naturgebiete nutzt, müsse deshalb auch auf andere Besucher Rücksicht nehmen.
Beliebte Route mit wenig Platz
Die Wanderung zum Lago di Sorapis beginnt für viele Besucher am Passo Tre Croci. Über den Wanderweg 215 geht es in Richtung Rifugio Vandelli und weiter zum Bergsee.
Obwohl es sich um eine reguläre Wanderroute handelt, ist die Tour nicht überall einfach. Vor allem die schmalen Passagen am Berghang erfordern Trittsicherheit und Aufmerksamkeit. An stark besuchten Tagen können dort Warteschlangen entstehen, wenn sich Wanderer in beide Richtungen begegnen.
Die Kombination aus einem schmalen Bergweg und Gegenständen, die über den Boden fahren, kann zusätzliche Probleme verursachen. Wanderer können gezwungen sein auszuweichen, obwohl dafür an manchen Stellen kaum Platz vorhanden ist.
Lago di Sorapis zieht viele Besucher an
Der Lago di Sorapis ist mit seinem auffallend milchig-türkisen Wasser zu einem der bekanntesten Fotospots rund um Cortina d’Ampezzo geworden. Fotos und Videos des Sees werden häufig in sozialen Medien geteilt.
Diese Popularität führt dazu, dass es auf der Zugangsroute im Sommer sehr voll werden kann. Der Vorfall mit den RC-Autos passt deshalb in eine breitere Diskussion in den Dolomiten über das Verhalten an beliebten Bergorten.
Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Menschen einen Ort besuchen, sondern auch darum, wie sie sich dort verhalten. Auf schmalen Bergwegen kann etwas, das auf einer breiten Straße harmlos wirkt, andere behindern oder sogar zu unsicheren Situationen führen.
Für den CAI ist die Botschaft daher klar: Die Berge sind für alle zugänglich, aber gerade deshalb gehört Rücksicht auf andere Wanderer dazu.