Kristallklares, eiskaltes Wasser, das direkt aus den Bergen kommt: Während einer Wanderung kann es ziemlich verlockend sein, davon zu trinken. Doch der Gesundheitsdienst in den Dolomiten warnt ausdrücklich davor. In den vergangenen Tagen bekamen mehrere Wanderer Magen-Darm-Beschwerden, nachdem sie Wasser aus Bergbächen getrunken hatten. Einige von ihnen mussten im Krankenhaus medizinisch behandelt werden.
In Kürze
- Mehrere Wanderer in der Provinz Belluno bekamen Magen-Darm-Beschwerden, nachdem sie Wasser aus Bergbächen getrunken hatten.
- Drei Personen wurden vom Berg- beziehungsweise Rettungsdienst versorgt, drei weitere kamen in die Notaufnahme in Agordo und eine Person ins Krankenhaus von Pieve di Cadore.
- Auch Wasser, das klar und sauber aussieht, kann Bakterien, Viren oder Parasiten enthalten.
Wanderer nach Trinken aus Bergbächen erkrankt
Die Warnung stammt von ULSS 1 Dolomiti, dem Gesundheitsdienst der Provinz Belluno. In den vergangenen Tagen meldeten sich mehrere Wanderer mit Gastroenteritis, nachdem sie während ihrer Tour Wasser aus einem Bergbach getrunken hatten. Dabei handelt es sich um Magen-Darm-Beschwerden, die unter anderem mit Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen einhergehen können.
Nach Angaben der lokalen Nachrichtenseite Il Dolomiti wurden drei Menschen vom regionalen Rettungsdienst SUEM versorgt. Außerdem kamen drei Personen in die Notaufnahme in Agordo, eine weitere meldete sich im Krankenhaus von Pieve di Cadore.
Die Vorfälle sind für den Gesundheitsdienst Anlass, Wanderer ausdrücklich zu warnen: Trinke Wasser aus einem Bergbach oder einer Quelle nicht, ohne es vorher aufzubereiten.
Auch glasklares Bergwasser kann verunreinigt sein
Viele Bergwanderer kennen die Situation: Du bist in den Bergen unterwegs, kommst an einem klaren Bach vorbei, das Wasser rauscht zwischen den Felsen hindurch und sieht sauberer aus als Leitungswasser. Doch das Aussehen sagt wenig darüber aus, ob das Wasser wirklich trinkbar ist.
Laut Mario Mastromarino, Direktor der Abteilung für Lebensmittelhygiene und Ernährung von ULSS 1 Dolomiti, kann Wasser aus Quellen oder Bächen Bakterien, Viren und Parasiten enthalten. Diese können zum Beispiel durch Weidetiere oder Wildtiere oberhalb der Entnahmestelle ins Wasser gelangen.
Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Weiter oben können sich Wiesen, Ställe oder Berghütten befinden, ohne dass man sie vom Wanderweg aus sieht. In der Nähe von landwirtschaftlich genutzten Flächen können außerdem Rückstände von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln ins Wasser geraten.
Kann man Wasser aus einem Bergbach sicher trinken?
Die Empfehlung von ULSS 1 Dolomiti ist deutlich: Nimm am besten selbst genügend Trinkwasser mit und trinke nicht direkt aus einem Bach oder einer Quelle. Wenn es während einer Tour trotzdem notwendig ist, Wasser aus der Natur zu nutzen, sollte es vorher behandelt werden.
Der Gesundheitsdienst nennt dafür verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist das Abkochen: mindestens eine Minute, in größerer Höhe drei Minuten. Auch spezielle Outdoor-Wasserfilter können Bakterien und Parasiten zurückhalten. Zusätzlich gibt es Tabletten oder Tropfen zur chemischen Wasseraufbereitung; dabei müssen die vorgeschriebenen Einwirkzeiten eingehalten werden.
Auch der Ort, an dem du Wasser auffüllst, macht einen Unterschied. ULSS rät, stehendes Wasser zu vermeiden und, wenn es keine Alternative gibt, fließendes Wasser zu wählen. Schau außerdem möglichst genau, was sich oberhalb der Entnahmestelle befindet, und meide Wasserläufe unterhalb von Weiden mit Vieh, Ställen, Berghütten und landwirtschaftlichen Flächen.
Fülle deine Trinkflasche also nicht einfach irgendwo auf
Gerade an warmen Sommertagen kann ein Bergbach unterwegs besonders verlockend sein. Die aktuellen Krankheitsfälle in den Dolomiten zeigen jedoch, dass man von außen nicht erkennen kann, ob Wasser wirklich sicher zu trinken ist.
Eine gut gefüllte Trinkflasche oder Trinkblase gehört deshalb weiterhin zur Grundausrüstung für eine Bergwanderung. Wer bei einer längeren Tour auf natürliche Wasserquellen angewiesen sein könnte, sollte vorher prüfen, wo offizielle Trinkwasserstellen liegen, und ein geeignetes Mittel zur Wasseraufbereitung mitnehmen.