Mehr als hundert Meter tief im Fels, mehrere geheime Sicherheitskontrollen und hinter den stark gesicherten Türen Platz für Gold, Kunst, Wein oder sogar einen wertvollen Oldtimer. Tief unter dem Brünigmassiv in den Schweizer Alpen wird an einem besonderen Projekt gearbeitet: einem unterirdischen Tresorkomplex für sehr vermögende Personen. Die ersten Räume sollen ab 2027 verfügbar sein. Der Komplex wird bei Lungern im Kanton Obwalden gebaut, nicht weit vom Brünigpass entfernt.
Kurz zusammengefasst
- Unter dem Brünigmassiv bei Lungern wird ein riesiger, stark gesicherter Tresorkomplex gebaut.
- Etwa zwanzig private Tresorräume werden unter mehr als 100 Meter tief im massivem Fels liegen.
- Es ist möglich dort unter anderem Gold, Kunstwerke, Wein und wertvolle Autos zu lagern.
- Der Mindestpreis liegt bei ungefähr einer Million Schweizer Franken, und die ersten Räume sollen 2027 fertig sein.
Mehr als 100 Meter Fels über den Tresorräumen
Insgesamt sind etwa zwanzig unterirdische Tresorräume geplant. Sie werden tief in den Berg gehauen und unter einer mehr als hundert Meter dicken Schicht aus massivem Fels liegen.
Nach Angaben des Entwicklers soll das Sicherheitsniveau mit dem der Schweizerischen Nationalbank vergleichbar sein. Das ist eine Behauptung des Unternehmens selbst; Einzelheiten zur Sicherheitsausstattung werden bewusst nicht veröffentlicht. Selbst ein Fernsehteam des Schweizer Rundfunks RTS durfte nur einen Teil der Zufahrtstunnel filmen und bekam die künftigen Tresorräume nicht zu sehen. Wer später hinein möchte, muss zunächst mit dem Auto durch eine gesicherte Zufahrt fahren. Danach folgen mehrere Kontrollen. Wie diese genau funktionieren, hält der Betreiber streng geheim.
Von Gold und Kunst hin zu Autos und Wein
Es geht nicht um Bankschließfächer, in die nur Schmuck und Dokumente passen. Die unterirdischen Räume sind groß genug für erheblich größere Besitztümer. Nach Angaben der Initiatoren können Kunden dort unter anderem Kunstwerke, Edelmetalle, exklusive Weine und Oldtimer lagern. Damit richtet sich das Projekt ausdrücklich an eine internationale Gruppe sehr vermögender Personen.
Der Unternehmer Gasser sagt, dass die Nachfrage nach extrem sicherer Lagerung aufgrund der internationalen Unsicherheit wächst. Seiner Ansicht nach suchen vermögende Kunden immer häufiger nach Orten, an denen es möglich ist, einen Teil ihres Besitzes langfristig sicher unterzubringen.
Fast eine Million Franken als Einstiegspreis
Günstig ist ein eigener Raum in dem Schweizer Berg ganz sicher nicht. Der Mindestpreis liegt nach Angaben des Projektentwicklers bei knapp einer Million Schweizer Franken. Besonders interessant ist auch die finanzielle Struktur hinter dem Kauf. Ein Tresorraum wird für einen Zeitraum von 99 Jahren verkauft und erhält eine eigene Parzellennummer im Schweizer Kataster. Dadurch kann der Käufer dieses Recht sogar als Sicherheit für eine Hypothek verwenden. Nach Angaben von Gasser haben sich inzwischen bereits mehrere Kunden für einen der Tresorräume entschieden. Die ersten der ungefähr zwanzig Räume sollen 2027 verfügbar sein.
Nicht alle in Lungern sind begeistert
Das neuartige Projekt sorgt auch im nahe gelegenen Lungern für Diskussionen. Gegenüber RTS äußerten sich die EinwohnerInnen geteilter Meinung. Manche finden es schwer verständlich, dass ein solch großes Projekt eigens für Menschen gebaut wird, die ohnehin schon sehr vermögend sind. Andere sehen darin etwas Außergewöhnliches und vielleicht sogar wirtschaftlich Interessantes für die Region. Ein Bewohner scherzte gegenüber den Schweizer Medien bereits über die Ferraris, die künftig möglicherweise durch das Dorf fahren werden.
In der Schweiz finderet man häufiger Tresore in den Bergen
Die Idee, Wertgegenstände tief in einem Schweizer Berg zu lagern, ist nicht völlig neu. Ehemalige Militärbunker wurden bereits früher in sichere Lagerstätten und Rechenzentren umgebaut. Bei Brünig handelt es sich jedoch um einen speziell für diesen Zweck eingerichteten Komplex, der sich auf private Vermögen konzentriert. Die Kombination aus riesigen unterirdischen Räumlichkeiten, einer eigenen Eintragung im Kataster und mehr als hundert Metern Fels darüber machen das Projekt selbst nach Schweizer Maßstäben zu etwas Besonderem.
Wenn alles nach Plan verläuft, werden 2027 die ersten Türen geöffnet, beziehungsweise sicher verschlossen. Wer selbst ein Stück Berg als Tresor nutzen möchte, sollte allerdings vor allem ein ziemlich gut gefülltes Bankkonto mitbringen.