Eine Berghütte in den Dolomiten hat sich in diesem Sommer zu einem echten Social-Media-Hype entwickelt. Bei der Friedrich-August-Hütte, am Fuß des Langkofels, stehen am Morgen Hunderte Touristen in der Schlange. Nicht für eine Seilbahn oder einen bekannten Fotospot, sondern für einen Krapfen. Das süße Gebäck ist auf Instagram und TikTok so beliebt geworden, dass Besucher extra dafür zur Hütte kommen.
In Kürze
- Bei der Friedrich-August-Hütte in den Dolomiten stehen manchmal Hunderte Menschen für einen Krapfen an.
- Fotos und Videos des Gebäcks gingen in den vergangenen Jahren auf Instagram und TikTok viral.
- Der Andrang sorgt erneut für Diskussionen über Social Media und Massentourismus in den Dolomiten.
Lange Schlangen auf fast 2300 Metern Höhe
Wer in diesem Sommer früh bei der Friedrich-August-Hütte im italienischen Val di Fassa ankommt, kann ein auffälliges Bild sehen. Vor der Berghütte schlängelt sich eine lange Menschenreihe durch die Berglandschaft. Nach Angaben italienischer Medien geht es an stark besuchten Tagen um Hunderte Urlauber. In online geteilten Videos sind Schlangen mit schätzungsweise mehreren Hundert Menschen zu sehen.
Die Friedrich-August-Hütte liegt auf 2298 Metern Höhe bei Col Rodella, am Fuß der eindrucksvollen Langkofelgruppe. Von der Bergstation der Seilbahn aus Campitello di Fassa sind es etwa zehn Minuten zu Fuß bis zur Hütte. Vom Sellajoch dauert die Wanderung nach Angaben der örtlichen Tourismusorganisation ungefähr eine halbe Stunde.
@la.repubblica Una coda lunghissima sotto al sole, sulle montagne della Val di Fassa, non per fotografare un panorama, bensì per assaggiare un bombolone alla crema. Quello del rifugio Friedrich August, tra il Col Rodella e il Passo Sella, diventato virale grazie ai social. A cura di Daniela Solito Video @giack_janac_ci ♬ suono originale - la.repubblica
Alles für einen Krapfen
Der Grund für den Andrang liegt auf der Terrasse: frisch gebackene Krapfen. Die frittierten Teigkugeln, vergleichbar mit einem Berliner, werden unter anderem mit Creme und Nutella gefüllt. Ein Krapfen kostet laut mehreren italienischen und internationalen Medien etwa drei bis vier Euro.
Neu ist die süße Spezialität an sich nicht. Die Hütte backt schon seit Jahren Krapfen, und auch bei der örtlichen Tourismusorganisation werden sie schon länger als eine der Spezialitäten der Friedrich-August-Hütte genannt. Was sich verändert hat, ist die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien.
Fotos von großen Mengen Krapfen auf einem Holztisch, dahinter die steilen Felswände des Langkofels, funktionieren offenbar besonders gut auf Instagram und TikTok. In den vergangenen Jahren tauchten immer mehr Videos von Influencern und Foodbloggern auf, woraufhin das Interesse schnell wuchs.
Manchmal schon früh ausverkauft
Inzwischen kommen manche Besucher gezielt wegen des Gebäcks nach oben. Die Krapfen werden schon früh am Morgen verkauft und sind an stark besuchten Tagen teilweise bereits vor 10.00 Uhr ausverkauft. Bilder in den sozialen Medien zeigen, dass Urlauber deshalb früh losziehen, um noch einen Krapfen zu ergattern.
Das führt zu ungewöhnlichen Situationen. Während Wanderer bei einer Berghütte normalerweise nach einer Tour durch die Berge einkehren, scheint der Krapfen für einen Teil der Besucher inzwischen selbst das eigentliche Ziel des Ausflugs zu sein. Genau darüber entsteht nun Diskussion.
Neue Diskussion über Andrang in den Dolomiten
Die Bilder der langen Warteschlangen lösen online sowohl Staunen als auch Kritik aus. Mehrere Einheimische und Bergliebhaber fragen sich, ob die Berge immer stärker zur Bühne für dieselben Social-Media-Hypes werden, die auch an anderen beliebten Orten große Besucherströme verursachen.
Die Dolomiten kämpfen schon länger mit extremer Belastung rund um einige bekannte Orte. Fotospots, Aussichtspunkte und beliebte Wanderwege können in der Hochsaison Tausende Besucher anziehen. Social Media kann dafür sorgen, dass sich der Andrang zusätzlich sehr stark auf einen einzigen Punkt konzentriert.
Auch rund um die Friedrich-August-Hütte zeigt sich dieser Effekt. Eine traditionelle Spezialität, die jahrelang einfach zur Hütte gehörte, ist durch ein paar fotogene Bilder zu einem eigenen Ausflugsziel geworden.
Der Krapfen ist nicht das Einzige, wofür sich der Besuch lohnt
Dass der Krapfen gerade alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist eigentlich bemerkenswert. Die Lage der Friedrich-August-Hütte gehört nämlich zu den schönsten der Region. Von der Hütte blickt man unter anderem auf die Sellagruppe und die Marmolada, während die markanten Felswände von Langkofel und Plattkofel ganz in der Nähe aufragen.
Außerdem verläuft hier der Friedrich-August-Weg, eine bekannte Panoramawanderung in Richtung Plattkofelhütte. Wer also vor allem wegen des Krapfens nach oben kommt, könnte fast vergessen, dass es rund um die Warteschlange noch etwas viel Beeindruckenderes zu sehen gibt: die Dolomiten selbst.