Helm auf, Klettergurt angelegt und ordentlich am Stahlseil gesichert. Auf den ersten Blick scheint bei der Sicherheitsausrüstung alles zu stimmen. Bis man nach unten schaut: Eine Wanderin steigt den Via Ferrata Piccolo Cir in den Dolomiten nämlich mit Flip-Flops. Auch eine zweite Person ist mit auffallend leichten Sandalen unterwegs. Die Bilder sorgen für Verwunderung.
Kurz zusammengefasst
- Auf dem Via Ferrata Piccolo Cir wurde eine Wanderin mit Flip-Flops fotografiert.
- Der Klettersteig gilt als relativ einfach, weist aber dennoch steile und ausgesetzte Passagen auf.
- Geeignetes Schuhwerk gehört auch bei einem einfachen Klettersteig zur wichtigen Grundausrüstung.
Mit Flip-Flops über den Fels
Die ungewöhnliche Szene spielte sich auf dem Via Ferrata Piccolo Cir in der Cirgruppe am Grödner Joch in Gröden ab. Auf Bildern, die vom lokalen Account WTF Gherdëina geteilt wurden, ist zu sehen, wie eine Frau mit Helm, Klettergurt und Klettersteigset über die Felsen steigt. Nur ihr Schuhwerk passt weniger gut zur Aktivität: Sie trägt Flip-Flops. Eine weitere Person aus der Gruppe ist mit Sandalen unterwegs.
Gerade diese Kombination fällt auf. Die Wanderer scheinen die wichtigste Sicherheitsausrüstung für einen Klettersteig dabeizuhaben, doch guter Halt unter den Füßen ist mindestens ebenso wichtig.
Kein extrem schwieriger Klettersteig, aber ernstes Berggelände
Der Piccolo Cir gehört nicht zu den schwierigsten Klettersteigen der Dolomiten. Die Route wird von Gröden mit dem Schwierigkeitsgrad B und damit als leicht eingestuft. Die gesamte Tour ist etwa 3,5 Kilometer lang, überwindet 415 Höhenmeter und führt bis auf 2.514 Meter.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Route mit einer normalen Wanderung vergleichbar ist. In der offiziellen Beschreibung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Klettersteig trotz seiner überschaubaren Länge nicht unterschätzt werden sollte. Es gibt ausgesetzte Passagen, außerdem sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine gute Kondition erforderlich.
Gerade in felsigem Gelände machen Schuhe mit ausreichend Profil und Halt einen großen Unterschied. Auf glattem Fels, losem Geröll oder beim Abstieg bieten Flip-Flops kaum Grip oder Schutz.
Helm und Klettersteigset allein reichen nicht aus
Beim Klettersteig liegt der Fokus häufig auf Helm, Klettergurt und Klettersteigset. Verständlich: Damit ist man in den gesicherten Passagen mit dem Stahlseil verbunden. Doch damit ist eine geeignete Ausrüstung noch nicht vollständig.
Auch die offiziellen Informationen von Gröden nennen passendes Schuhwerk ausdrücklich als Teil der erforderlichen Klettersteigausrüstung – neben Helm, modernem Klettersteigset, Wetterschutz sowie ausreichend Verpflegung und Getränken.
Ein Fehltritt muss außerdem nicht zwangsläufig beim eigentlichen Klettern passieren. Gerade die Abschnitte zwischen den gesicherten Passagen oder der Abstieg über Felsen und Geröll können tückisch sein.
Flip-Flops in den Bergen sind kein Einzelfall
Wer häufig in den Alpen unterwegs ist, kennt solche Situationen vielleicht. Auch wir begegnen hin und wieder Wanderern mit Schuhen, bei denen man sich fragt, ob sie wirklich für das Gelände gedacht sind.
So sahen wir im vergangenen Jahr am bekannten Stuibenfall-Klettersteig im Ötztal selbst einen Wanderer mit Flip-Flops. Nach der ersten Hängebrücke kamen wir auf einem Wanderabschnitt der Route an ihm vorbei. Wie seine Tour letztlich ausgegangen ist, wissen wir nicht. Unser erster Gedanke war allerdings vor allem: Das scheint uns keine besonders gute Idee zu sein.
Natürlich entscheidet das Schuhwerk allein nicht darüber, ob sich jemand sicher in den Bergen bewegt. Erfahrung, Kondition, Wetterbedingungen und die Wahl der Route spielen mindestens eine ebenso große Rolle. Auf einem Klettersteig, wo man über Felsen steigt und teilweise über großer Tiefe unterwegs ist, bedeuten Flip-Flops jedoch ein unnötiges zusätzliches Risiko.
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Auch ein einfacher Klettersteig bleibt ein Klettersteig
Die Bilder aus Gröden sind deshalb vor allem eine gute Erinnerung an etwas, das in den Bergen schnell vergessen wird: „Leicht“ bedeutet nicht automatisch risikolos.
Ein Klettersteig mit Schwierigkeitsgrad A oder B mag technisch überschaubar sein, führt aber immer noch durch alpines Gelände. Gute Vorbereitung und die passende Ausrüstung bleiben daher wichtig. Und Flip-Flops? Die hebt man sich besser für danach auf – für die Terrasse, die Sauna oder das Schwimmbad.