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Murenabgänge verwüsten Südtirol: Wanderer gerettet und Straßen gesperrt

Modderstroom

Heftige Regenfälle haben in den vergangenen Tagen an mehreren Orten in Südtirol zu Murenabgängen, Überschwemmungen und Straßensperren geführt. Bei San Cassiano mussten rund 150 Menschen evakuiert werden, nachdem eine große Schlammlawine aus Geröll und Felsblöcken die Zufahrtsstraße zur Capanna Alpina verschüttet hatte. Sechs Wanderer wurden mit dem Hubschrauber aus den Bergen gerettet. Auch im Vinschgau und im Gsiesertal sorgte das Unwetter für erhebliche Probleme.

Kurz zusammengefasst

  • Bei San Cassiano wurden nach einem großen Murenabgang rund 150 Menschen evakuiert.
  • Sechs Wanderer mussten mit einem Rettungshubschrauber aus den Bergen geholt werden.
  • Auch bei Trafoi und im Gsiesertal gingen enorme Mengen an Schlamm, Wasser und Geröll nieder.

Großer Murenabgang bei San Cassiano

Einer der größten Zwischenfälle ereignete sich am 20. August bei San Cassiano in Alta Badia. Nach heftigen Regenfällen gingen in der Umgebung der Capanna Alpina große Mengen an Schlamm, Geröll und Felsbrocken nieder. Die Zufahrtsstraße wurde an mehreren Stellen verschüttet und teilweise weggerissen. Sie ist zudem ein wichtiger Zugang zum Naturpark Fanes-Sennes-Prags.

Rund 150 Wanderer und andere Besucher mussten aus dem Gebiet evakuiert werden. Etwa 50 Autos blieben auf dem Parkplatz bei der Capanna Alpina zurück, weil die Straße nicht mehr passierbar war.

Für sechs Wanderer, die sich noch weiter oben in den Bergen befanden, war der Rückweg zu gefährlich geworden. Der Rettungshubschrauber von Aiut Alpin Dolomites wurde eingesetzt, um sie ins Tal zu bringen. Bei dem Vorfall wurde niemand verletzt.

Bis zu 30.000 Kubikmeter Geröll bei Trafoi

Auch in Trafoi, am Fuße des Ortlers und unweit des Stilfser Jochs, gingen enorme Mengen an Material nieder. Nach Angaben der Südtiroler Behörden handelte es sich um 20.000 bis 30.000 Kubikmeter Gestein, Schlamm und Geröll.

Die Mure blockierte den Eiswandfernerbach nahezu vollständig und erreichte die Fußgängerbrücke in Richtung des Wallfahrtsortes Drei Heilige Brunnen. Die Brücke entging nur knapp größeren Schäden. Mit Baggern wurde versucht, den Bach wieder freizulegen, doch das war zunächst nicht möglich. Das abgelagerte Material war dafür noch zu nass.

Bemerkenswert ist, dass an derselben Stelle bereits wenige Wochen zuvor, am 1. August, ein Murenabgang niedergegangen war. Laut Peter Egger vom Südtiroler Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung sind die Moränenfelder unterhalb des Ortlers instabiler geworden. Er stellt dabei ausdrücklich einen Zusammenhang mit dem Auftauen des Permafrosts her: Material, das früher dauerhaft gefroren war, kann sich bei starkem Regen leichter lösen und in Bewegung geraten.

Erneut schwere Unwetter im Gsiesertal

Damit nicht genug. Am Abend des 24. August wurde auch das Gsiesertal von heftigen Regen- und Hagelschauern getroffen. Zwischen 20.00 und 20.30 Uhr fielen örtlich rund 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

Wasser und Schlamm strömten aus mehreren Seitenbächen ins Tal. Eine Brücke wurde mitgerissen, eine weitere drohte verlegt zu werden. Straßen und landwirtschaftliche Flächen standen unter Wasser, einige Bauernhöfe waren zeitweise nicht erreichbar. Auch mehrere Almen wurden durch Geröll und Schlamm von der Außenwelt abgeschnitten.

Einsatzkräfte und Mitarbeiter des Landes sind seitdem damit beschäftigt, Schlamm und Steine zu beseitigen und die Erreichbarkeit wiederherzustellen.

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Muren können innerhalb kürzester Zeit entstehen

Ein Murenabgang, im Alpenraum häufig einfach als Mure bezeichnet, kann bei starkem Regen plötzlich entstehen. Wasser vermischt sich mit lockerem Gestein, Erde und Schlamm und kann anschließend mit hoher Geschwindigkeit durch ein Bachbett oder eine Rinne ins Tal strömen. Dabei können auch große Felsblöcke und Bäume mitgerissen werden.

Für Wanderer ist eine solche Situation nur schwer einzuschätzen. Ein normalerweise kleiner Gebirgsbach kann während eines heftigen Gewitters innerhalb kurzer Zeit stark anschwellen und Wanderwege oder Zufahrtsstraßen unpassierbar machen.

Gerade wenn für eine Bergregion starke Gewitter oder länger anhaltender Regen vorhergesagt sind, sollte man deshalb vor dem Aufbruch unbedingt die aktuelle Lage prüfen. Auch Stunden oder Tage nach starken Niederschlägen können Wege noch beschädigt, aufgeweicht oder gesperrt sein.

Zomer Miranda

Über Miranda

Miranda liebt die Alpen und ist hier regelmäßig anzutreffen. Sowohl im Sommer als auch im Winter. Für sie besteht der perfekte Urlaub aus Bergen, Wasser, Action, Entspannung, einem guten Buch und leckerem Essen. In ihren Blogs berichtet sie von ihren Abenteuern auf dem Wasser, dem Mountainbike, dem Motorrad oder zu Fuß.