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Pilger auf dem Jakobsweg
© Pixabay/Schwenk

Seit Jahrhunderten machen sich Menschen aus religiösen Gründen auf, um auf langen Strecken in Einsamkeit zu wandern und um damit entweder ihrem Gott näher zu kommen oder um Buße zu tun. Auf der ganzen Welt haben sich daher berühmte Pilgerorte entwickelt, zu den bekanntesten zählen dabei Rom, Jerusalem, Mekka und Santiago de Compostela. Allerdings erlebt der Pilgertourismus in den letzten Jahren einen derartigen Zuwachs, dass es für Pilger nicht einfach ist, sich für den richtigen Weg zu entscheiden. IndenBergen stellt daher die schönsten Pilgerwege der Welt vor.

Kurz zusammengefasst

  • Besondere Pilgerwege weltweit: von religiös vielfältigen Zielen wie dem Adam’s Peak in Sri Lanka bis zum klassischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela.
  • Die Routen unterscheiden sich stark in Länge und Schwierigkeit: Sie reichen von einem steilen Aufstieg mit 5.000 Stufen über den 1.200 Kilometer langen Shikoku-Pfad bis zur extremen Kailash-Umrundung in bis zu 5.700 Metern Höhe.
  • Aber Achtung, unterschätze die körperlichen Anforderungen nicht: Training, ärztliche Rücksprache, passende Ausrüstung und die richtige Reisezeit sind entscheidend.

1. Adam’s Peak: Vier Weltreligionen auf einem Berg in Sri Lanka

Wer aus religiösen Gründen pilgert, für den ist Adam‘s Peak in Sri Lanka sicher die optimale Wahl, egal, welcher Religion er oder sie auch angehören mag, denn auf diesem Berg treffen sich vier Weltreligionen. Der Berg ist 2.243 Meter hoch und die Strecke eigentlich nur sieben Kilometer lang. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen, dieser Aufstieg ist heftig, denn er umfasst gut 1.000 Höhenmeter und 5.000 Stufen. Ziel für Hindus, Muslime, Christen und Buddhisten ist übrigens ein Fußabdruck, der entweder einer Gottheit oder einem Propheten der eigenen Religion zugeordnet wird.

2. Shikoku: Der Tempel-Pilgerpfad in Japan

Auf Shikoku, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln, liegt der Shikoku-Pilgerweg, der jährlich mehr als 500.000 Menschen anzieht. Der Weg ist rund 1.200 Kilometer lang und zu Fuß in knapp 40 Tagen zu schaffen. Das Besondere an diesem Pilgerweg: Auf der Strecke liegen 88 Tempel, die es alle zu besuchen gilt. Erst dann gilt der Weg als erfolgreich absolviert. In welcher Reihenfolge die Tempel besucht werden, in welche Richtung gepilgert wird und ob öffentliche Verkehrsmittel zur Hilfe genommen werden, ist dabei nicht wichtig.

3. Pilgern extrem: Der Weg rund um den Kailash in Tibet

Spätestens in Tibet hört die Vorstellung vom gemütlichen Pilgern auf, denn dieser Pilgerweg gilt als der schwierigste der Welt. Die Strecke ist 54 Kilometer lang und verläuft in einer Höhe von 4.600 bis 5.700 Meter. Dort drohen die Höhenkrankheit ebenso wie tiefe Schluchten, steile Abhänge, Unterkühlung und Zusammenbrüche durch Erschöpfung. Der Gipfel des Kailash darf allerdings aus Ehrfurcht vor den Göttern gar nicht betreten werden, deswegen verläuft der Pilgerweg ‚nur‘ einmal herum. Je nach Glaubensrichtung gehen die Pilger den Pfad entweder im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn.

4. Von Oberösterreich nach Slowenien auf dem Benediktweg

Knapp zwei Wochen sollten Pilger für den Benediktweg einplanen, der von Spital am Phyrn in Oberösterreich, über Seckau in die Steiermark zum Stift St. Paul in Kärnten und weiter bis nach Gornji Grad in Slowenien verläuft. Während der Zeit sind 315 Kilometer zu überwinden, wobei viele kulturelle Highlights den Weg säumen. Dazu zählen unter anderem die barocke Stiftskirche in Spital am Pyhrn in Oberösterreich und das Benediktinerstift Admont in der Steiermark ebenso wie das Franziskanerkloster Nazarje mit der Kapelle der Schwarzen Madonna. Dieser Pilgerweg ist daher deutlich weniger extrem als der Vorgänger in dieser Liste.

5. Pilgern im hohen Norden: Der Olavsweg

Auch im hohen Norden wird gepilgert, und zwar nicht nur in einem Land, zumindest dann nicht, wenn man auf dem Olavsweg unterwegs ist, denn dieser verläuft mit einem Streckennetz von 5.000 Kilometern durch Dänemark, Schweden und Norwegen. Ziel ist der Nidaros-Dom in Trondheim. Dieser Pilgerweg wurde übrigens im Jahr 2010 zum Europäischen Kulturweg ernannt. Trotzdem ist er im Vergleich zum Camino de Santiago immer noch recht wenig frequentiert, sodass Pilger hier wirklich die Gelegenheit haben, zu sich selbst und vielleicht auch zu Gott zu finden.

6. 500 Kilometer auf den Spuren des Apostels Paulus

Vom Meer bis in die Hochebene verläuft der in der Türkei liegende Pilgerweg auf den Spuren des Apostels Paulus. Im Jahr 2008 wurde der Paulusweg eröffnet und ist insgesamt 500 Kilometer lang. Er startet an der Mittelmeerküste und arbeitet sich bis in eine Höhe von 2.200 Metern hinauf. Für den Startpunkt gibt es zwei Möglichkeiten und das Pilgerziel ist Antiochia in Pisidien, das heutige Yalvaç nördlich des Eğirdir-Sees, wo Paulus eine Christengemeinde gegründet haben soll. Landschaftlich reizvoll ist der Weg aufgrund der antiken Stadt Adada, hoher Wasserfälle und Schluchten oder wunderschönen Seen.

7. Seit Jahrhunderten ein Klassiker: Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela

Der Pilgerweg in den Norden Spaniens gilt als der Klassiker in Bezug auf Pilgerwege in Europa, schließlich machten sich bereits im Mittelalter Gläubige auf, um dem typischen Muschelsymbol auf dem Jakobsweg zu folgen. Hape Kerkelings Bestseller aus dem Jahr 2008 hat sein Übriges dazu beigetragen. Mehrere Wege aus ganz Europa führen zum angeblichen Grab des Apostel Jakobus und zahlreiche Menschen folgen jährlich dem Ruf. Selbst Angela Merkel ist darauf schon eine kurze Strecke gepilgert. Wer allerdings Ruhe und Besinnlichkeit sucht, wird mit dem Camino de Santiago vielleicht nicht unbedingt glücklich.

Tipps für eine gelungene Pilgerwanderung

Pilgern liegt im Trend und verbindet Bewegung, Natur und die Möglichkeit, für einige Tage aus dem Alltag auszusteigen. Damit die Wanderung zu einem schönen Erlebnis wird und nicht an Blasen, schlechtem Wetter oder fehlender Vorbereitung scheitert, sollten einige wichtige Punkte beachtet werden.

  • Die Route realistisch planen: Länge, Höhenmeter und Schwierigkeitsgrad sollten zur eigenen Kondition passen. Gerade bei längeren Pilgerwegen ist es sinnvoll, die Tagesetappen nicht zu lang zu planen.
  • Frühzeitig trainieren: Wer regelmäßig wandert, gewöhnt den Körper an längere Strecken und kann seine Belastbarkeit besser einschätzen.
  • Schuhe unbedingt einlaufen: Neue Wanderschuhe können nach einigen Kilometern schnell unangenehm werden. Deshalb sollten sie bereits vor der Pilgerwanderung ausgiebig eingelaufen werden.
  • Nur das Nötigste mitnehmen: Jeder zusätzliche Gegenstand macht den Rucksack schwerer. Eine praktische Packliste für den Rucksack hilft dabei, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu beschränken.
  • Auf die richtige Reisezeit achten: Hitze, Schnee und starke Regenfälle können manche Strecken deutlich erschweren oder sogar unpassierbar machen.
  • Pausen und Wasser einplanen: Regelmäßige Pausen verhindern Überlastung. Außerdem sollte unterwegs jederzeit ausreichend Trinkwasser verfügbar sein.
  • Unterkünfte früh buchen: Beliebte Pilgerwege sind besonders in der Hauptsaison stark frequentiert. Wer nicht spontan nach einer Unterkunft suchen möchte, sollte die Übernachtungen rechtzeitig organisieren.
  • Offen für spontane Erlebnisse bleiben: Trotz guter Planung gehört es zum Pilgern dazu, nicht jeden Tag vollständig durchzutakten. Oft sind es gerade ungeplante Begegnungen und besondere Aussichten, die lange in Erinnerung bleiben.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Pilgerwegen und Pilgerwanderungen

Was ist ein Pilgerweg?

Ein Pilgerweg ist eine markierte Wanderroute, die zu einem religiösen, spirituellen oder historisch bedeutenden Ziel führt. Viele Pilgerwege verlaufen durch abwechslungsreiche Landschaften und verbinden Kirchen, Klöster, Kapellen und andere kulturelle Sehenswürdigkeiten.

Welche Pilgerwege sind besonders bekannt?

Zu den bekanntesten Pilgerwegen zählen der Jakobsweg nach Santiago de Compostela, der Olavsweg in Skandinavien, der Shikoku-Pilgerweg in Japan und der Benediktweg durch Österreich und Slowenien. Auch der Adam’s Peak in Sri Lanka und der Pilgerweg rund um den Kailash in Tibet sind weltweit bedeutende Ziele.

Wie lang ist eine typische Pilgerwanderung?

Die Länge einer Pilgerwanderung kann stark variieren. Manche Routen sind nur wenige Kilometer lang und an einem Tag zu bewältigen, während andere Pilgerwege mehrere hundert oder sogar über tausend Kilometer umfassen. Für EinsteigerInnen eignet sich zunächst eine kürzere Strecke mit überschaubaren Tagesetappen.

Wie fit muss man für eine Pilgerwanderung sein?

Eine gute Grundkondition ist wichtig, da mehrere Wandertage hintereinander körperlich anstrengend sein können. Vor allem längere Strecken, viele Höhenmeter und ein schwerer Rucksack sollten nicht unterschätzt werden. Regelmäßige Wanderungen im Vorfeld helfen dabei, den Körper auf die Belastung vorzubereiten.

Welche Ausrüstung braucht man zum Pilgern?

Zur Grundausstattung gehören gut eingelaufene Wanderschuhe, wetterangepasste Kleidung, ein passender Rucksack, ausreichend Trinkwasser, Sonnenschutz und eine kleine Reiseapotheke. Je nach Route sind außerdem Wanderstöcke, eine Stirnlampe und ein Schlafsack sinnvoll.

Wann ist die beste Reisezeit für eine Pilgerwanderung?

Die beste Reisezeit hängt von der jeweiligen Region und Route ab. Frühling und Herbst bieten häufig angenehme Temperaturen. In den Bergen können Schnee und Eis manche Wege unpassierbar machen, während im Sommer Hitze und stark frequentierte Strecken manchmal zur Herausforderung werden.

Sollte man eine Pilgerwanderung im Voraus planen?

Eine gute Vorbereitung ist empfehlenswert. Tagesetappen, Unterkünfte, Verpflegungsmöglichkeiten und mögliche Wetterverhältnisse sollten vor dem Start geprüft werden. Gleichzeitig ist es sinnvoll, etwas Spielraum einzuplanen, da sich die Bedingungen unterwegs ändern können.

Wie viele Kilometer sollte man pro Tag pilgern?

Für EinsteigerInnen sind etwa 15 bis 20 Kilometer pro Tag ein realistischer Ausgangspunkt. Erfahrene Wanderer schaffen je nach Gelände und Gepäck auch längere Etappen. Entscheidend ist nicht die größtmögliche Distanz, sondern ein Tempo, das dauerhaft bewältigt werden kann.

Kann man auch allein auf einem Pilgerweg wandern?

Viele Pilgerwege eignen sich gut für Alleinreisende. Dennoch sollten Route, Wetter und Übernachtungsmöglichkeiten sorgfältig geprüft werden. Angehörige sollten über den geplanten Weg informiert sein, und bei abgelegenen Strecken empfiehlt sich ein zuverlässiges Kommunikationsmittel.

Was macht eine Pilgerwanderung besonders?

Eine Pilgerwanderung bietet die Möglichkeit, Natur und Bewegung mit kulturellen Eindrücken und persönlicher Besinnung zu verbinden. Viele Menschen schätzen außerdem die Ruhe, die Begegnungen mit anderen Pilgern und das Gefühl, ein Ziel Schritt für Schritt aus eigener Kraft zu erreichen.

Ist eine Pilgerwanderung auch für AnfängerInnen geeignet?

Ja, auch AnfängerInnen haben die Möglichkeit zu pilgern, wenn sie eine passende Route auswählen und sich realistisch vorbereiten. Kürzere Pilgerwege mit moderaten Steigungen und guter Infrastruktur sind für den Einstieg besonders geeignet. Vor längeren oder anspruchsvollen Touren sollte die eigene Fitness ehrlich eingeschätzt werden.

Miriam

Über Miriam

Für Miriam müssen es keine großen Höhenmeter sein. Abwechslungsreich und gespickt mit schönen Aussichten sind die perfekten Wanderwege für sie und wenn am Ende noch eine schöne Hütte wartet, ist der Tag in den Bergen perfekt.