Traumpfad München-Venedig: Meine Tipps

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Traumpfad München-Venedig: Meine Tipps

10 September 2020

von: Andrea in Reiseberichte

Hallo, ich bin es wieder - Andrea. Ich bin im Sommer 2020 den Traumpfad von München nach Venedig ganz allein und ohne Geld gelaufen. Meine Motivation und Hintergrund sowie meine Packliste für die Alpenüberquerung habe ich bereits zu Beginn meiner Reise mit euch auf IndenBergen geteilt. Inzwischen habe ich die Transalp-Wanderung erfolgreich gemeistert, habe das sonnige Italien erreicht und bin wieder nach München zurückgekehrt. Nachdem ich die ganze Wanderung nun einmal Revue passieren lassen konnte, möchte ich euch in diesem Blog noch einige nützliche Tipps zur Planung und Organisation, zur perfekten Route sowie Übernachtungsmöglichkeiten und zur Ausrüstung und zum Gepäck geben.

Traumpfad München-Venedig: Tipps zur Planung und Organisation

  • Die beste Wanderzeit erwischen

Am besten startet man frühestens Anfang Juli und nicht nach August seine Fernwanderung auf dem Traumpfad München-Venedig, da davor und danach noch zu viel Schnee liegt und viele Hütten im Oktober schließen.

Sonnenschein auf dem Traumpfad
Ich hatte auf dem Traumpfad München-Venedig fast immer Glück mit dem Wetter (Foto: ©Die2Abenteurer)
  • Ein festes Datum anhalten

Ein Freund gab mir den tollen Tipp, ein fixes Startdatum festzulegen. Somit wusste ich bereits 3 Monate vorher, wann es genau losgeht. Das hat mir sehr geholfen. Ansonsten wären mir nämlich bestimmt noch ein paar Gründe zum Verschieben der Wanderung eingefallen, wie ein wichtiger Geburtstag, eine schlechte Wettervorhersage oder eine unvollständige Ausrüstung.

  • Das richtige Startdatum wählen

Gut zu wissen ist, dass am 8.8. jeden Jahres viele Wanderer zusammen ab München losziehen, um die Alpen zu überqueren. Wenn man also lieber alleine laufen möchte, sollte man sich ein anderes Datum als Wanderbeginn wählen. Ebenfalls starten viele Wanderer an einem Samstag. Besser läuft man antizyklisch los.

  • Die Tour allein bewältigen

Ich habe mich allein auf den Weg gemacht und kann das wirklich nur empfehlen. Dadurch konnte ich immer mein eigenes Tempo gehen, meine Pausen einlegen und soweit gehen, wie ich wollte. Ich hatte Zeit für mich und für die Natur. Auch wenn man die Tour in einer Gruppe geht, empfehle ich, immer mal wieder ein paar Stunden alleine zu wandern. Abends auf der Hütte ist man dann ja wieder mit der ganzen Truppe zusammen.

  • Mit der Vorbereitung nicht stressen 

Ich habe von manchen Fernwanderern gehört, dass sie sich sechs Monate im Voraus intensiv mit Bergtouren und im Fitnessstudio auf den Traumpfad München-Venedig vorbereitet haben. Man sollte natürlich schonmal in den Bergen unterwegs gewesen sein, um seine Trittsicherheit zu üben und Kraft richtig einschätzen zu lernen. Auch sollte man eine gewisse Grundfitness haben, um die körperliche Anstrengung zu schaffen. Aber, man wächst auch mit der Erfahrung und wird während der Tour immer fitter und schneller. Man kann es am Anfang ja einfach etwas langsamer angehen. 

  • Bei kritischen Stellen gut informiert sein

Auf dem Traumpfad München-Venedig gibt es drei wetterkritische Stellen: 

Schlauchkarsattel (Etappe 6)
Friesenbergscharte (Etappe 10)
Schiara-Klettersteig (Etappe 22/23)

Man sollte sich gut informieren, ob diese Stellen offen/begehbar sind. Bei mir war beispielsweise die Friesenbergscharte einen Tag vorher noch gesperrt. Auf extrem viel Schnee bin ich im Schlauchkar gestoßen, obwohl es schon Juli war. Die letzten Höhenmeter musste ich ein recht steiles Schneefeld hinauf. Am besten fragt man in den Hütten nach. Zur Not muss man warten oder die Stelle umlaufen. 

 Friesenbergsee und Schlegeisstausee
Blick von der Friesenbergscharte zum Friesenbergsee und zum Schlegeisstausee (Foto: ©Die2Abenteurer)
  • Nicht zu viel im Voraus planen und buchen

Ich rate jedem, nicht zu weit vorauszuplanen oder zu buchen. Es kann immer anders kommen, als gedacht, z.B. durch das Wetter in den Bergen. Außerdem könnte es mal sein, spontan einen Tag Pause haben oder weniger weit laufen zu wollen, weil es einem an dem Ort gerade so gut gefällt. Ich habe mehrere Leute getroffen, die wegen einer kleinen Verletzung oder eines Regentages mehrere Etappen auslassen mussten, da alles schon gebucht war.

  • Den Führer nicht auswendig lernen

Es ist ratsam, den Führer nicht jeden Tag genauestens zu studieren oder sogar auswendig zu lernen. Solang man im Groben weiß, wo es hergeht, kommt man schon an. Ich habe mich immer gerne vom nächsten Berggipfel oder der nächsten tollen Aussicht überraschen lassen.

  • Sich nicht um Karten sorgen

Mach dich nicht wuschig, wenn Leute sagen "Nehm unbedingt 100 Karten mit!". Ich hatte nicht eine einzige Karte dabei - und das war auch gut so. Das sparte Platz und Gewicht! Wenn ich mir unsicher war, habe ich eher nach den Weg gefragt oder kurz aufs Smartphone und den GPS-Track geschaut. Mein Tipp: GPS-Track kostenlos herunterladen (gibt es zu vielen Führern) und mit der OsmAnd-App öffnen.

  • Pausentage einlegen

Es ist einfach nur super, um sich mal zu erholen, eine Stadt zu besichtigen oder einen ganz besonders schönen Platz in der Natur zu genießen. Wie wäre es zwischendurch mit einer Gipfeltour? Ich fand es auf der Hallerangeralm, der Kreuzweisenalm und auch auf der Lizumer Hütte wunderschön. Aber da findet sicher jeder seine eigenen Lieblingsplätze für einen Ruhetag. Schön ist übrigens auch, dass man dann wieder neue Leute trifft, die zuvor immer einen Tag hinter einem waren.

  • Zeit in Venedig und Italien einplanen

Ich fand es klasse, vier Tage durch Venedig zu schlendern und im Anschluss ein paar Tage am Meer zu verbringen. Ich habe es genossen mich selbst mit Bett, Dusche, Aperol und Pizza zu verwöhnen. Die Zeit hatte ich für mich zum Ankommen einfach gebraucht. Glaubt mir: Man ist weiter draußen, als man denkt.

Venedig
Venedig: Einfach ein traumhaftes Ziel für eine Wanderung (Foto: ©Die2Abenteurer)

Traumpfad München-Venedig: Die perfekte Route und Übernachtungstipps

  • Mach DEINE Tour daraus

Man braucht sich nicht immer an die vorgeschlagenen Etappen und Hütten halten. Mach aus dem Traumpfad München-Venedig DEINE Tour. Ich fand es toll, jeden Tag von neuem zu schauen: Welche Berggipfel möchte ich beklimmen? Wo will ich schlafen? Welchem Pfad möchte ich folgen? Wie weit möchte ich gehen? So habe ich echt tolle extra Höhepunkte entdeckt (u. a. die Dominikushütte, die Nacht auf der Boe Spitze, die Kaiserhütte in Hinterriß, usw.) Trotz Ruhetagen war ich nur 30 Tage unterwegs, da ich oft auch mal weitergewandert bin. 

  • Lieber Dominikushütte als Olpererhütte

Ich war sehr froh, dass ich nicht wie viele andere Fernwanderer in der Olpererhütte (Etappe 10) übernachtet hatte. Eine auf Instagram berühmt gewordene Hängebrücke lockt bei gutem Wetter viele tausende "Wanderer" vom Schlegeisstausee zur Olpererhütte. Dementsprechend gut besucht und hektisch ist es dort oben. 

Gemütlich und familiär geht es hingegen an der zauberhaften Dominikushütte unten, direkt am See zu. Als Bonus wäscht hier Hüttenwirt Heiko sogar die Wäsche! Erstklassiger Service nach den ersten 10 Wandertagen. Und wenn das nicht schon genug wäre: Die Etappe am nächsten Tag wird so sogar noch 2 Stunden kürzer. 

Aussicht Dominikushütte
Herrliche Aussicht vom Frühstückstisch in der Dominikushütte direkt am See
  • Glungezer Hütte und 7 Summit Trail als Zusatztag

Ich empfehle wärmstens, die zusätzliche Etappe über die Glungezer Hütte (Etappe 7/8) zu wandern. Diese geht nicht auf direktem Wege von Hall/Wattens aus zur Lizumer Hütte, sondern erst rauf zur Glungezer Hütte und am folgenden Tag über den Tuxer 7 Summit Trail, einer beeindruckenden Gratwanderung, rüber zur Lizumer Hütte.

  • Rauf auf die Boe Spitze und dort übernachten

Die Boe Spitze und die dortige Übernachtung in der Fassa Hütte war für mich ein absolutes Highlight. Als ich dort um 15.00 Uhr ankam, war noch recht viel los. Jeden Tag strömen hunderte Besucher von der Bergbahn zur Hütte. Rund 16.00 Uhr war dann aber plötzlich auf einen Schlag alles leer und ich konnte mit den (nur!) 13 anderen Übernachtungsgästen den Hüttenabend und den Sonnenuntergang sowie Sonnenaufgang entspannt genießen. Es wurde uns eine grandiose Aussicht auf die umliegenden Gipfel der Dolomiten, wie der Marmolada, geboten!

  • Den Klettersteig an der Schiara machen

Dieser einmalige Klettersteig lohnt sich auf jeden Fall! Es war ein tolles Gefühl den letzten Alpenhauptkamm auf diese Weise zu überschreiten und nicht mit dem Bus zu umfahren, was viele andere Fernwanderer tun. Falls man Bedenken zum Gewicht des Klettersteig-Sets hat: Das kann man im Voraus auch ganz unkompliziert zum Passo Duran (Etappe 20) schicken. Oder man leiht sich dort beim Refugio San Sebastiano ein Set aus. 

Schiara-Klettersteig
Ein absolutes Muss für jeden Kletterer: der Schiara-Klettersteig (Foto: ©Die2Abenteurer)
  • Den Col Visentin als letzten Gipfel mitnehmen

Nach Belluno sollte man definitiv noch rauf zum Col Visentin (Etappe 24). Im Reiseführer ist dies teilweise als Zusatztag ausgewiesen, aber das ist nicht nötig. Von Belluno aus (oder wenn man am Vortag sogar schon etwas weiterwandert) ist man schnell oben. Von da aus kann man einerseits nochmal alle Berge überschauen, die man bereits überwunden hat, und andererseits schon das Meer entdecken! Ein überwältigendes Gefühl.

  • Den Traumpfad München-Venedig an einem Stück laufen

Ich empfehle, den Traumpfad München-Venedig an einem Stück zu laufen. Auf meiner Tour habe ich nur einen Mann getroffen, der ebenfalls den ganzen Weg gelaufen ist. Die meisten Wanderer sind erst nach 3 bis 5 Tagen eingestiegen und fast alle haben in Belluno aufgehört. Das ist aus mehreren Gründen echt schade:

- Die komplette Dramaturgie der Tour geht verloren

- Man kommt nicht so schnell ins eigene Tempo und die Ruhe und Gelassenheit der Berge rein

- In der Ebene am Anfang der Tour hatte ich Zeit, mich an das Gepäck zu gewöhnen und am Ende "auszulaufen" und alles zu verarbeiten. Das fehlt dann.

- Man verpasst die schöne italienische Atmosphäre auf den letzten Etappen mit Weinbergen, Aperol, Pizza und Eis

- Man kann die traumhafte Aussicht auf die Berge und das Meer (siehe Col Visentin) am Ende nicht genießen

- Der Stolz am Ende der Tour, zu wissen, dass man die 555 km wirklich alleine zu Fuß und aus eigener Kraft gegangen ist, bleibt aus

  • Draußen übernachten

Ich hatte eine Isomatte, einen Schlafsack und einen Biwaksack dabei (insgesamt weniger als 2 kg), um draußen übernachten zu können. Das war aus mehreren Gründen ideal: Einerseits war ich dadurch sehr flexibel (siehe oben), andererseits ist es einfach etwas ganz Besonderes, in den Bergen unter freiem Himmel zu schlafen. Die Luft, die Aussicht, die Verbundenheit mit den Bergen und der Natur... . Diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Auch, wenn durch Hagel und Gewitter die Nacht teilweise sehr ungemütlich und kalt wird. (Bitte immer gut checken, ob und wie das Biwakieren gestattet ist)  

draußen schlafen
Draußen übernachten bei frischer Bergluft und wahnsinniger Aussicht ist einfach toll! (Foto: ©Die2Abenteurer)
  • Statt Berghütte auch mal ein Biwak ansteuern

In einer kleinen Biwak-Schachtel zu schlafen ist ein ganz besonderes Abenteuer. Das weiß jeder, der das schonmal getan hat. Entlang der Tourenroute gibt es einige gemütliche und wunderschön gelegene (Not-) Unterkünfte:

- Die Biwakhütte beim Schlauchkarsattel unterhalb der Birkkarspitze. Vom Karwendelhaus aus kann man dorthin direkt aufsteigen. Oder man plant einen Zusatztag ein, um einen Abstecher zum Gipfel zu machen. 

- Nur 45 Minuten nach Rifugio Pian de Fontana gibt es eine traumhaft schöne Alm als Biwakhütte

- Das Bivacco Marmol beim Schiara-Klettersteig. Am nächsten Tag kann man direkt bis Belluno absteigen.

allein auf der Alm
Mein Ausblick nach einer Nacht allein in der alten Alm (Foto: ©Die2Abenteurer)
  • Früh losgehen

Besonders an den letzten Tage (aber auch in den Bergen) rate ich jedem, früh am Morgen loszugehen. Es ist dann noch schön kühl und wenig los. Dann kommt man auch früher an oder man legt eine lange Pause während der heißen Mittagsstunden ein. Am Ende dauerte meine Siesta wegen der Hitze sogar von 12.00 bis 16.00 Uhr.

Traumpfad München Venedig: Tipps zu Ausrüstung und Gepäck

  • So wenig Gepäck wie möglich

Man sollte auf jeden Fall so wenig Gepäck wie möglich mitnehmen. Anders wird man es nur bereuen! Ich war sehr froh mit meiner Packliste und den 12 kg. Man sollte probieren, bei jedem einzelnen Teil zu optimieren (leichte Stöcke, leichter Rucksack, usw.) und sich abfragen, ob man jedes Teil auch echt unbedingt braucht. Man kann nicht für jeden Fall gerüstet sein.

Mein Gepäck
Das hatte ich (nur) alles dabei (Foto: ©Die2Abenteurer)
  •  Nicht zu viel Wasser mitschleppen

Ich hatte nur eine Einliterflasche mitgenommen. Es gibt immer wieder Stellen zum Trinken und Auffüllen der Wasserflasche. Anders steht das im Führer. Für diese Fälle hatte ich noch eine leere Plastikflasche dabei, die wenig Platz einnahm. Besser nicht jeden Tag gleich mit 2,5 Litern losgehen!

  • Leichte Schuhe für Start und Ende

Ich war sehr glücklich, meine leichten LOWA-Wanderschuhe für die ersten und letzten Etappen dabeizuhaben. Besonders in Bezug auf das Gewicht an den Füßen und die warmen Temperaturen im Tal. Die schweren Wanderschuhe kann man am besten ab Belluno nach Hause schicken und umgekehrt. Alles immer zu schleppen wäre unnötig.

  • Guter Regenschutz

Selbst wenn es etwas Gewicht hat und Platz einnimmt: Man sollte definitiv eine gute Regenjacke und einen Rucksacküberzug oder Poncho mitnehmen. Zudem empfehle ich, die Sachen im Rucksack jeweils in eine Plastiktüte oder eine wasserdichte Packtasche zu packen. Wenn es mal länger regnet, kann es nämlich auch im Rucksack nass werden. Außerdem praktisch: So ist im Rucksack auch alles gleich sortiert.

  • Füße gut pflegen

Auf der Tour ist der ganze Körper extremen Belastungen ausgesetzt - jedenfalls viel mehr als sonst. Besonders belastet werden die Füße! Deswegen gilt: Gut pflegen und Blasen vorbeugen. Viele Wanderer müssen deswegen ihre Tour abbrechen!

Meine Tipps:

- eine Ladung Hirschtalgcreme am Morgen und Abend auftragen

- die Füße bei Pausen gut lüften

- doppellagige Socken (z. B. wrightsocks) tragen




Urlaub in den Bergen