Erste Hilfe: 7 Tipps, die beim Unfall in den Bergen helfen

Erste Hilfe: 7 Tipps, die beim Unfall in den Bergen helfen

31. August 2017

von: Gernot in Wissen

Bei einer Wanderung in den Bergen kann es schnell passieren, dass sich ein Mitglied der Wandergruppe verletzt. Denn es gibt viele Risiko-Faktoren, die für das Wandern besonders gelten: das Wetter kann schnell umschlagen, ein Weg ist vielleicht rauer als erwartet und auch mangelnde Konzentration oder Müdigkeit am Ende einer Tour führen oft zu Verletzungen. Deshalb sollte man auch bei einer kurzen Wanderung immer für den Ernstfall gewappnet sein, damit nicht viel passiert, wenn einmal was passiert. IndenBergen hat für Sie die 7 wichtigsten Tipps zusammengestellt.

1. Ruhig bleiben und Lage erfassen

Der Unfall ist passiert und jetzt ist es besonders wichtig, dass man einen kühlen Kopf bewahrt. Bevor man handelt, sollte man klären ob die Gefahr vorbei oder noch vorhanden ist. Dabei nicht nur an das Unfallopfer, sondern an alle Mitglieder der Gruppe denken. Wichtig ist, dass die Selbstrettung vor der Rettung anderer geht – noch mehr Personen zu gefährden wäre ein unter Umständen fataler Fehler. Des Weiteren die Situation einschätzen. Welche Gruppenmitglieder sind verletzt, welche unverletzt? Wer ist in der Lage Hilfe zu leisten, wer nicht? Letzter Punkt: einer muss das Kommando übernehmen und die Aufgaben koordinieren.

Ist der Unfall passiert, gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren. © AT Rotes Kreuz Innsbruck

2. Erste Hilfe beim Unfallopfer

Normalerweise lässt man das Unfallopfer an Ort und Stelle. Davon geht man nur ab, wenn am Unfallort weitere Gefahr droht. Verletzungen können sich nämlich beim unsachgemässen Transport noch verschlimmern. Wenn keine Gefahr vorhanden ist, kurzer Check bei dem oder den Verletzten, wie es ihnen geht: sind sie bei Bewusstsein und ansprechbar? Braucht der Verletzte unmittelbare Versorgung? Dieser und die folgenden Punkte können übrigens auch parallel erledigt werden, wenn mehrere Personen unverletzt sind. Einer birgt und spricht das Opfer an, der andere sucht schon das Handy raus, denn jetzt gilt es Hilfe zu organisieren.

3. Notruf absetzen

Wichtig ist, dass man noch vor den ersten konkreten Erste-Hilfe-Maßnahmen den Notruf absetzt, denn dann sind die Rettungskräfte bereits unterwegs, wenn Sie mit der Notversorgung anfangen. Europaweit gilt die Rufnummer 112: diese funktioniert auch in fremden Mobilfunk-Netzen. Mittlerweile ist in Mitteleuropa das Netz meist so gut ausgebaut, dass man schnell einen Punkt mit Netz-Verbindung erreicht. Beim Anruf sollte man ruhig und sachlich die Lage schildern, dabei auf die fünf „Ws“ eingehen: Was ist passiert, wo, wann, wie ist die Lage und wer ruft an. Die Notrufzentrale alarmiert dann schon während des Gesprächs einen Rettungstrupp.

4. Notsignale

Sollte kein Notruf möglich sein, dann gibt es andere Wege um in den Bergen auf die Notsituation aufmerksam zu machen. Sechs Mal pro Minute (alle zehn Sekunden) lauf pfeifen ist das akustische Notsignal, dann eine Minute Pause und wiederholen. Die Antwort darauf ist drei Mal pro Minute (alle 20 Sekunden) pfeifen. Bei optischen Signalen (etwa Lichtzeichen mit Spiegel) gelten die gleichen Rhythmen. Sollte auch hier kein Erfolg bestehen, dann sollte jemand Hilfe holen, wenn das möglich ist. Denn gerade auf einsamen Routen kann man sich nicht darauf verlassen, dass man einfach so gefunden wird.

5. Erste Hilfe leisten

Während die Rettungskräfte verständigt werden (oder danach) geht es an die Erste-Hilfe-Maßnahmen. Beachten Sie dabei, dass es besser ist, zu improvisieren, als gar nichts zu tun. Wichtig ist es, den Verletzten richtig zu lagern und auf jeden Fall trocken und warm zu halten. Die weiteren Maßnahmen leiten sich von der Verletzung ab. Stabile Seitenlage oder Schocklagerung, Stillen von Blutungen, das Kühlen von Schwellungen oder Brüchen und mehr können dazu gehören. Sie sollten den oder die Verletzten auch, wenn irgendwie möglich, nie alleine lassen. Oft ist es schon alleine die Anwesenheit eines Helfers, die dem Verletzten hilft, wichtige Kräfte zu mobilisieren.

Schnelle Hilfe Helikopter Unfallort
Schnelle Hilfe: Einsatzkräfte kommen meist mit Helikopter zum Unfallort. © Niederwolfsgruber

6. Standort markieren

Sollte die Luftrettung zu Ihnen unterwegs sein, kann es sein, dass sie auch noch den Standort markieren sollten, um dem Piloten die Suche zu erleichtern. Dazu können nicht benötigte Rucksäcke oder Kleidungsstücke benutzt werden. Aber auch hier gilt: machen Sie keine gefährlichen Dinge, denn weitere Verletzte aus einer schlechten Lage zu bergen erhöht das Risiko für alle Beteiligten. Wenn die Bergretter eingetroffen sind, dann halten Sie sich bitte an deren Anweisungen. Diese Männer und Frauen sind erfahrene Profis, die genau wissen, wie man sich in Notsituationen zu verhalten hat.

Wanderwegweiser-Standort-markieren
Aufgepasst: Auf den Wanderwegweisern findet sich immer eine Nummer, die ist einmalig und hilft den Bergrettern die Position besser zu bestimmen.

7. Vorbereitung ist die halbe Miete

Unfälle in den Bergen können passieren und das richtige Verhalten ist dann wichtig. Aber am Wichtigsten ist die richtige Vorbereitung und Tourenplanung. Hier einige wichtige Aspekte, die Sie vor jeder Tour beachten sollten. Niemals allein in den Bergen unterwegs sein. Im Rucksack muss immer eine Notfallausrüstung dabei sein. Auch warme Kleidung und Wasser zum Trinken sollte man immer dabei haben. Auch wenn man die Stille genießen will, ein aufgeladenes Handy gehört in den Rucksack. Wichtig ist auch, dass man die Wetterprognose beachtet und auf Hinweise von Experten, zum Beispiel der Hüttenwirte, hört und diese beachtet.

Wetterprognose gesehen? Ein Wettersturz in den Bergen ist oft der Grund für Unglücksfälle. Wolke beim Staubernkanzel im Kanton St. Gallen, Schweiz. © Schweigkofler

Praktische Tipps zur Bergrettung

Damit der alpine Unfall nicht auch noch zum finanziellen Albtraum wird, empfiehlt es sich zu klären, ob man im Rahmen einer Versicherung die Bergkosten durch Helikopter abgedeckt hat. Denn diese sind vom Unfallopfer zu bezahlen und die Kosten sind hier enorm. Alternativ inkludieren die Mitgliedschaften in den alpinen Vereinen wie etwa dem Alpenverein meist eine entsprechende Versicherung. Auch die Automobilclubs haben derartige Zusatzleistungen oft in ihren Paketen integriert. Übrigens: Wer am Berg zu einem Unfall kommt ist zur Hilfe verpflichtet. Auch wenn schon andere sich um die Verletzten kümmern, sollte man jedenfalls stehen bleiben und die Hilfe anbieten.

Urlaub in den Bergen