Montenegro verbindet die Adriaküste mit einigen der wildesten Bergregionen des Balkans. Auf einer einzigen Rundreise kannst du durch das alte Kotor spazieren, über den Skutarisee fahren und Bergtouren im Durmitor oder Prokletije unternehmen. Die Küste ist im Sommer lebhaft, während dich im Norden höhere Gipfel, kühlere Temperaturen und längere Wanderwege erwarten. Diese zehn Orte zeigen, welche Reiseziele du am besten kombinieren kannst.
Kurz zusammengefasst
- Montenegro vereint historische Küstenstädte, Bergseen, Schluchten und Gipfel über 2.500 Meter.
- Mai, Juni und September sind ideal für eine Rundreise; für hohe Bergtouren eignen sich Juli bis September besser.
- Für Küste, Skutarisee und Berge solltest du vorzugsweise 10 bis 14 Tage einplanen und mit kurvigen Straßen rechnen.
Warum Montenegro für einen Aktivurlaub geeignet ist
Montenegro ist klein, aber die Landschaften unterscheiden sich stark. Entlang der Adria liegen ummauerte Städte, Buchten und Strände. Nur wenige Stunden im Landesinneren beginnen die Dinarischen Alpen mit tiefen Schluchten, Gletscherseen und Gipfeln über 2.500 Meter.
In Montenegro gibt es fünf Nationalparks: Durmitor, Biogradska Gora, den Skutarisee, Lovćen und Prokletije. Vor allem Durmitor und Prokletije sind für Bergwanderer interessant. Rund um den Skutarisee und an der Küste findest du dagegen eher kürzere Wanderungen, Kajakrouten und kulturelle Ausflugsziele.
Ein Urlaub in Montenegro ist deshalb am interessantesten, wenn du nicht nur an der Küste bleibst. Wenn du Kotor, den Skutarisee und mindestens eine Bergregion kombinierst, bekommst du einen deutlich besseren Gesamteindruck des Landes.
Wie viele Tage brauchst du für Montenegro?
Für Kotor, Perast und die umliegende Küste allein reichen vier bis sieben Tage. Wenn du auch den Skutarisee und Durmitor besuchen möchtest, solltest du mindestens zehn Tage einplanen.
Mit etwa zwei Wochen hast du die Möglichkeit, entspannter zu reisen und zusätzlich Biogradska Gora oder Prokletije einzubauen. Das ist keineswegs übertrieben: Die Entfernungen wirken auf der Karte gering, aber Bergstraßen, Serpentinen und der Sommerverkehr sorgen für längere Fahrzeiten als erwartet.
Beispielroute für 10 bis 14 Tage
Eine sinnvolle Planung sieht wie folgt aus:
- drei Nächte rund um Kotor und Perast;
- eine oder zwei Nächte bei Cetinje oder Lovćen;
- zwei Nächte am Skutarisee;
- drei Nächte in Žabljak für Durmitor und die Tara-Schlucht;
- zwei oder drei Nächte in Kolašin oder bei Gusinje und Plav.
Wenn du weniger als zehn Tage hast, entscheide dich zwischen Biogradska Gora und Prokletije. Beide Gebiete in eine kurze Reise zu packen, bedeutet vor allem viel Zeit im Auto zu verbringen.
Montenegro bereisen: Auto oder öffentliche Verkehrsmittel?
Zwischen den größeren Städten fahren Busse, aber für Nationalparks, Aussichtspunkte und kleine Dörfer ist ein Auto deutlich praktischer. Vor allem in Durmitor, rund um den Skutarisee und in Prokletije liegen die Sehenswürdigkeiten weit auseinander.
Die wichtigsten Straßen sind im Allgemeinen gut befahrbar. In ländlichen und bergigen Gegenden sind sie jedoch oft schmal und kurvig. An der Küste kann es im Juli und August zu Staus kommen. Plane deshalb nicht mehrere lange Fahrten an einem Tag und fahre Bergstraßen möglichst bei Tageslicht.
Achte bei der Planung nicht nur auf die Kilometerzahl. Eine Strecke von 80 Kilometern über eine Bergstraße kann erheblich mehr Zeit kosten als dieselbe Distanz auf einer Durchgangsstraße.
Die 10 schönsten Orte für einen Urlaub in Montenegro
1. Kotor und die Bucht von Kotor
Kotor liegt am tiefsten Teil einer geschwungenen Bucht, eingekeilt zwischen steilen Kalksteinbergen. Die ummauerte Altstadt besteht aus schönen Plätzen, alten Kirchen, historischen Stadttoren und engen Gassen. Kotor und die umliegende Landschaft stehen auf der UNESCO-Welterbeliste.
Die Bucht wird oft als der südlichste Fjord Europas bezeichnet. Das ist geologisch nicht richtig. Die Boka Kotorska ist eine Ria: ein ehemaliges Flusstal, das vom Meer überflutet wurde. Die steilen Bergwände verleihen der Landschaft jedoch das Erscheinungsbild eines Fjords.
Wer wandern möchte, nutzt die Möglichkeit, von der Altstadt hinauf zu den Festungsanlagen zu steigen. Das ist eine steile Strecke mit vielen Treppenstufen und wenig Schatten. Starte früh, besonders im Sommer.
Kotor zieht in der Hochsaison viele TagesbesucherInnen und Kreuzfahrtpassagiere an. Die Altstadt ist am ruhigsten in den frühen Morgenstunden und später am Nachmittag.
- Empfehlenswert für: Kultur, kurze Wanderungen und den ersten Aufenthalt an der Küste.
Kotor und die Bucht von Kotor in Bildern
2. Perast und die Inseln in der Bucht
Perast liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Kotor und Risan. Der kleine Ort besteht aus Natursteinhäusern, ehemaligen Palästen, Kirchen und einer schmalen Uferpromenade.
Von Perast aus fahren Boote nach Gospa od Škrpjela, auch bekannt als Maria vom Felsen (oder Unsere Liebe Frau vom Felsen). Die Insel wurde künstlich aufgeschüttet und auf ihr gibt es eine Kirche und ein Museum. Bootstouren in der Bucht von Kotor verbinden Perast oft mit der Insel und weiteren historischen Orten rund um die Bucht.
Perast ist klein genug für einen Besuch von einigen Stunden. Wer mehr Ruhe sucht, hat die Möglichkeit dort auch zu übernachten und den Ort zu erleben, nachdem die meisten Tagesgäste wieder weg sind.
- Empfehlenswert für: Architektur, Bootsausflüge und eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit an der Bucht.
3. Lovćen und die ehemalige Hauptstadt Cetinje
Lovćen bildet den bergigen Übergang zwischen Küste und Hinterland. Der bekannteste Punkt ist das Mausoleum von Petar II. Petrović-Njegoš auf dem Jezerski Vrh. Von der Umgebung des Gipfels blickst du über die Berge, die Karstlandschaft und bei klarem Wetter bis zur Küste.
Die letzten Meter zum Mausoleum führen über eine lange Steintreppe. Wer nicht die anstrengende Wanderung von Kotor aus machen möchte, kann Lovćen mit dem Auto erreichen. Die Tour von Kotor zum Gipfel ist lang und anspruchsvoll und eignet sich vor allem für erfahrene Bergwanderer.
Kombiniere Lovćen mit Cetinje, der historischen königlichen Hauptstadt Montenegros. Im kompakten Zentrum stehen ehemalige Botschaften, Paläste, Museen und das Kloster von Cetinje. Die Stadt liegt auf etwa 670 Metern Höhe und es ist dort meist kühler als die Küste.
- Empfehlenswert für: einen Tagesausflug von Kotor, Geschichte und Bergpanoramen.
4. Der Skutarisee und Rijeka Crnojevića
Der Skutarisee liegt an der Grenze zwischen Montenegro und Albanien und ist der größte See des Balkans. Auf montenegrinischer Seite gehören Schilfflächen, Seerosen, niedrige Berge, Inselchen und alte Klöster zum Nationalpark Skutarisee.
Virpazar ist der bekannteste Ausgangspunkt für Bootstouren und Kajakfahrten. Rijeka Crnojevića ist kleiner und liegt an einem Flussarm, der zum See hin fließt. Von der Straße oberhalb des Ortes erreichst du den bekannten Aussichtspunkt bei Pavlova Strana.
Eine Tour am Morgen ist meist am angenehmsten: Das Licht ist weicher, es ist weniger heiß und die Chance, Vögel zu beobachten, ist größer. Achte bei Bootstouren darauf, immer genügend Abstand zu Schilfflächen und Brutgebieten zu halten.
- Empfehlenswert für: Bootfahren, Kajak, Vogelbeobachtung und ruhige Autorouten.
5. Stari Bar und das Rumija-Gebirge
Stari Bar ist der alte, teilweise verfallene Vorgänger der modernen Küstenstadt Bar. Die ummauerte Siedlung liegt einige Kilometer im Landesinneren an den Hängen des Rumija-Gebirges. Innerhalb der Mauern stehen Überreste von Kirchen, Häusern, Bade- und Verteidigungsanlagen.
Die Lage macht Stari Bar interessanter als nur eine archäologische Sehenswürdigkeit. In der Umgebung führen Wege zu Dörfern, Olivenhainen und den tieferen Hängen von Rumija.
Touren in die höheren Teile des Gebirges sind aufgrund der Hitze, des Höhenunterschieds und der teils unzureichenden Wegmarkierung nicht als spontane Nachmittagswanderung geeignet. Frage vor Ort nach den aktuellen Routenbedingungen und starte früh.
- Empfehlenswert für: Kultur, Wandern und Reisende, die die belebtesten Küstenorte abwechseln möchten.
6. Budva und die montenegrinische Küste
Budva ist einer der lebhaftesten Badeorte Montenegros. Hinter den Stadtmauern der Stari Grad liegen enge Gassen, Kirchen und kleine Plätze. Außerhalb der Altstadt stehen Hotels, Apartments, Strandclubs und Ausgehmöglichkeiten.
Allerdings ist es nicht der richtige Ort für UrlauberInnen, die nur Ruhe suchen. Im Juli und August kann es in und um Budva sehr voll werden. Der Ort eignet sich vor allem für Reisende, die Strand und lebendiges Nachtleben mit einer historischen Altstadt verbinden möchten.
Entlang der Küste südlich von Budva liegen unter anderem Bečići, Pržno, Petrovac und das bekannte Sveti Stefan. Nicht alle Strände sind Sandstrände; entlang eines großen Teils der Küste liegen Kiesel oder angelegte Plattformen. Montenegro hat Küstenorte und Strände zwischen Herceg Novi und Ulcinj, wobei Budva, Bar und Ulcinj das wichtigste offene Küstengebiet bilden.
- Empfehlenswert für: Strand, Restaurants, Nachtleben und kurze Ausflüge.
7. Žabljak und der Nationalpark Durmitor
Žabljak ist der wichtigste Ausgangspunkt für den Nationalpark Durmitor. Das Bergdorf liegt auf etwa 1.450 Metern Höhe und ist ein guter Startpunkt für Wanderungen, die Durmitor-Runde und Ausflüge zur Tara-Schlucht.
Eine gut zugängliche Einführung ist die Wanderung rund um Crno Jezero, den Schwarzen See. Für erfahrene Wanderer gibt es längere Routen zu Pässen und Gipfeln. Bobotov Kuk ist mit 2.523 Metern der höchste Gipfel des Durmitor-Massivs, aber nicht der höchste Berg ganz Montenegros.
Durmitor steht auf der UNESCO-Welterbeliste und verfügt über etwa hundert Kilometer markierter Wanderwege. Für schwere Touren sind gute Kondition, Bergerfahrung und stabile Wetterbedingungen erforderlich.
Nimm auch im Juli oder August warme und wasserdichte Kleidung mit. Durch die Höhe besteht die Möglichkeit, dass sich das Wetter schnell ändert, und an geschützten Stellen kann lange Schnee liegen.
- Empfehlenswert für: Bergwanderer, NaturliebhaberInnen und aktive Familien, die einfache Routen mögen.
Der Durmitor Nationalpark in Bildern
8. Die Tara-Schlucht und die Đurđevića-Tara-Brücke
Die Tara fließt durch eine tiefe Schlucht am Rand des Durmitor. Der bekannteste Zugang liegt bei der Đurđevića-Tara-Brücke, von der aus du von verschiedenen Punkten in die Schlucht blickst.
Rafting ist eine der beliebtesten Möglichkeiten, den Fluss zu erleben. Die offizielle Rafting-Saison läuft in der Regel von April bis Oktober. Im April und Mai ist der Wasserstand durch Schmelzwasser höher und der Fluss wilder. Später im Sommer sind viele Abschnitte ruhiger.
Buche nur bei einem Anbieter, der Helm, Schwimmweste, Neoprenanzug und eine klare Sicherheitseinweisung bereitstellt. Der Schwierigkeitsgrad einer Tour hängt von Wasserstand, Strecke und Wetterbedingungen ab.
Die Tara-Schlucht lässt sich gut mit Žabljak kombinieren, liegt aber nicht direkt neben dem Zentrum. Reserviere mindestens einen halben Tag für die Brücke und einen Großteil eines Tages für eine Rafting-Tour.
- Empfehlenswert für: Rafting, Aussichtspunkte und aktive Tagesausflüge.
9. Kolašin und Biogradska Gora
Kolašin liegt zwischen den Bergregionen Bjelasica und Sinjajevina. Es ist ein praktischer Ausgangspunkt für den Nationalpark Biogradska Gora, in dem einer der letzten alten Urwaldgebiete Europas erhalten geblieben ist.
Der bekannteste Ort ist Biogradsko Jezero. Rund um den See verläuft eine relativ einfache Waldwanderung. Längere Routen führen hinauf zu Bergweiden und traditionellen Katuns, den saisonalen Siedlungen der Hirten.
Biogradska Gora ist grüner und waldreicher als Durmitor. Das Gebiet ist deshalb interessant für Reisende, die lieber durch Wälder und über Bergweiden wandern als durch karges Hochgebirge.
Wege und Zufahrtsstraßen können außerhalb der Sommersaison wegen Schnee oder Wetterbedingungen gesperrt sein. Prüfe daher vorher die aktuellen Informationen des Nationalparks.
- Empfehlenswert für: Waldwanderungen, Familien und als ruhigere Alternative zu Durmitor.
10. Prokletije, Gusinje und Plav
Prokletije liegt im Osten Montenegros, an der Grenze zu Albanien und Kosovo. Das Gebirge ist schroffer, abgelegener und technisch anspruchsvoller als viele andere Teile des Landes. Zla Kolata ist mit 2.534 Metern der höchste Gipfel Montenegros. In der Region liegen Dutzende Gipfel über 2.000 Meter.
Gusinje und Plav sind die wichtigsten Ausgangsorte. Von Gusinje aus erreichst du unter anderem die Täler Grebaje und Ropojana. Auch die mehrtägige Wanderroute Peaks of the Balkans führt durch dieses Grenzgebiet.
Es gibt einige relativ einfache Talwanderungen, aber viele Bergtouren sind lang, steil oder schwer zu navigieren. Die offizielle Tourismusorganisation empfiehlt für anspruchsvolle Touren in Durmitor und Prokletije zertifizierte BergführerInnen oder eine organisierte Gruppe.
Prokletije passt auf einer kurzen Rundreise weniger gut als Durmitor. Plane mindestens zwei oder drei Nächte ein und prüfe im Voraus, ob für eine grenzüberschreitende Wanderung zusätzliche Dokumente oder Genehmigungen nötig sind.
- Empfehlenswert für: erfahrene Wanderer, mehrtägige Touren und Reisende, die bewusst die Berge aufsuchen.
Was solltest du vor der Abreise noch wissen?
Montenegro ist kein Mitglied der Europäischen Union, nutzt aber den Euro als Zahlungsmittel. In größeren Orten kannst du meist mit Karte zahlen, während Bargeld bei kleinen Unterkünften, Berghütten und abgelegenen Restaurants praktisch bleibt.
Deutsche Reisende benötigen einen gültigen Reisepass oder einen gültigen Personalausweis. Mit Reisepass kannst du laut aktuellem deutschen Reisehinweis maximal 90 Tage bleiben; mit Personalausweis maximal 30 Tage. Prüfe diese Bedingungen kurz vor der Abreise erneut.
Für Bergwanderungen gilt dieselbe Vorbereitung wie in den Alpen. Prüfe die Wettervorhersage, lade eine Offline-Karte herunter, nimm ausreichend Wasser mit und wähle eine Route, die zu deiner Erfahrung passt. In abgelegenen Teilen von Prokletije und Durmitor ist Mobilfunkempfang nicht überall selbstverständlich.