Eine 17-jährige deutsche Bergsteigerin musste am Sonntag, dem 1. November, von der Zugspitze gerettet werden, nachdem sie auf etwa 2500 Metern Höhe allein zurückgeblieben war. Es schneite, die Temperatur lag bei rund minus 12 Grad und stellenweise versanken die beiden bis zu den Knien im Schnee. Ihr 21-jähriger Begleiter hatte unterdessen allein den Abstieg begonnen. Die Tiroler Polizei untersucht nun, ob er dadurch die körperliche Sicherheit der Jugendlichen gefährdet hat.
In Kürze
- Die 17-Jährige und ihr 21-jähriger Begleiter brachen mitten in der Nacht von Ehrwald zur Zugspitze auf.
- Auf etwa 2500 Metern Höhe gerieten sie bei Schneefall und minus 12 Grad in Schwierigkeiten.
- Die Jugendliche wurde mit einem Hubschrauber gerettet. Die Polizei untersucht, warum sich die beiden trennten.
Vor Sonnenaufgang auf die Zugspitze
Die beiden deutschen Bergsteiger brachen am Sonntag gegen 1.30 Uhr von Ehrwald auf. Ihr Plan war es, über den Stopselzieher auf die 2962 Meter hohe Zugspitze zu steigen und dort den Sonnenaufgang zu erleben. Aufgrund der winterlichen Bedingungen erreichten sie den Gipfel jedoch nicht. Auf etwa 2500 Metern Höhe schneite es, und die Temperatur lag laut einem Bergretter bei rund minus 12 Grad. Stellenweise versanken die beiden bis zu den Knien im Schnee. Schließlich entschieden sie, die Tour nicht fortzusetzen.
17-Jährige bleibt allein am Berg zurück
Anschließend trennten sich die beiden. Der 21-Jährige begann allein mit dem Abstieg, während die 17-Jährige am Berg zurückblieb und die Rettungskräfte alarmierte. Warum sie getrennte Wege gingen, ist bislang unklar. Auch ist nicht bekannt, ob es sich um eine gemeinsame Entscheidung handelte. Genau das ist für die Ermittlungen entscheidend: Die Polizei versucht nun herauszufinden, was passiert ist und ob der 21-Jährige die körperliche Sicherheit seiner Begleiterin gefährdet hat.
Rettung zunächst zu Fuß eingeleitet
Wegen des schlechten Wetters konnte ein Hubschrauber die Jugendliche zunächst nicht erreichen. Deshalb machten sich sieben Mitglieder der Bergrettung Ehrwald von der Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn aus zu Fuß auf den Weg nach unten. Später verbesserten sich die Wetterbedingungen so weit, dass ein Polizeihubschrauber eingesetzt werden konnte. Die 17-Jährige wurde vom Berg gerettet und ins Krankenhaus nach Garmisch-Partenkirchen gebracht. Sie war unterkühlt, hatte aber keine Verletzungen erlitten. Nach einer ersten Untersuchung durfte sie das Krankenhaus wieder verlassen.
Polizei ermittelt gegen 21-jährigen Begleiter
Die Tiroler Polizei untersucht nun, ob eine Gefährdung der körperlichen Sicherheit vorliegt. Das bedeutet nicht, dass der 21-Jährige bereits für schuldig befunden wurde. Zunächst muss geklärt werden, warum er allein abstieg, weshalb die 17-Jährige zurückblieb und welche Absprachen die beiden getroffen hatten. Nach österreichischem Strafrecht kann die Gefährdung des Lebens, der Gesundheit oder der körperlichen Sicherheit eines anderen Menschen unter bestimmten Umständen strafbar sein.
Der Stopselzieher ist keine gewöhnliche Wanderung
Die Route über den Stopselzieher ist selbst bei guten Bedingungen eine ernst zu nehmende Bergtour. Von Ehrwald führt der Weg über steiles und felsiges Gelände in Richtung Wiener-Neustädter Hütte und anschließend durch die Nordwestflanke der Zugspitze. Teile der Strecke sind mit Stahlseilen und Eisenstufen gesichert.
Bei Schnee und Eis verändert sich der Charakter einer solchen Route erheblich. Stufen können unter dem Schnee verschwinden, Felsen werden rutschig und das Vorankommen dauert deutlich länger. Gerade im November können die Unterschiede zwischen dem Tal und dem Hochgebirge groß sein. Während unten teilweise noch herbstliche Bedingungen herrschen, ist weiter oben längst der Winter eingekehrt.
Winterliche Bedingungen erfordern eine andere Vorbereitung
Wer zu dieser Jahreszeit in die Berge geht, sollte nicht nur auf das Wetter im Tal achten. Wichtig sind auch die Schneelage, die Temperaturen, der Wind und der aktuelle Zustand der geplanten Route. Bei Touren in dieser Höhe sind Erfahrung mit winterlichen Bedingungen, die richtige Ausrüstung und eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten entscheidend. Außerdem sollte genügend Zeit eingeplant werden, um bei ungünstigen Bedingungen rechtzeitig umkehren zu können. Der Vorfall an der Zugspitze zeigt vor allem, wie schnell sich eine anspruchsvolle Bergtour im November zu einer winterlichen Notlage entwickeln kann.