Am Karersee in Südtirol ist in diesem Sommer erstmals ein eigener Ranger im Einsatz. Giorgio Poschiavin spricht Besucher an, die über die Absperrung klettern oder trotz Verbot eine Drohne starten. Seit Mitte Mai hat er an dem geschützten Bergsee bereits mehr als hundert Drohnenpiloten aufgehalten.
Die Maßnahme ist eine Reaktion auf anhaltende Probleme rund um die beliebte Sehenswürdigkeit in den Dolomiten. Immer wieder versuchen Besucher früh am Morgen oder am Abend, möglichst nah ans Wasser zu kommen, um Fotos und Videos für soziale Medien zu machen. Dabei werden regelmäßig Zäune ignoriert und geschützte Bereiche des Naturgebiets betreten.
In Kürze
- Am Karersee in Südtirol ist in diesem Sommer erstmals ein Ranger aktiv
- Seit Mitte Mai sprach er bereits mehr als hundert Besucher an, die eine Drohne starteten
- Besucher klettern immer wieder über die Absperrung, um Fotos und Videos zu machen
- Der Ranger informiert auch über das Naturgebiet und achtet auf die Sicherheit rund um den See
Mehr als hundert Drohnenpiloten angesprochen
Drohnen sind rund um den Karersee nicht erlaubt. Der See und das umliegende Waldgebiet bis zum Mittersee stehen als Naturdenkmal unter Schutz. Trotzdem gibt es laut lokalen Aufsichtsstellen immer wieder Besucher, die eine Drohne steigen lassen.
Seit der Ranger Mitte Mai seine Arbeit aufgenommen hat, hat er bereits mehr als hundert Menschen angesprochen, die mit einer Drohne unterwegs waren. Im Mittelpunkt stehen dabei Aufklärung und Prävention. Besucher werden über das Verbot und über die möglichen Folgen für die Natur informiert.
Zusätzlich zum Ranger führen auch Förster verstärkte Kontrollen durch. Das passiert vor allem in den frühen Morgenstunden und am Abend, wenn manche Besucher versuchen, die ruhigeren Zeiten für Fotos zu nutzen.
Drohnen landeten im See und in Bäumen
Das Drohnenverbot soll nicht nur die Ruhe rund um den See schützen. In den vergangenen Jahren sind mehrere Drohnen im Karersee abgestürzt. Beschädigte Akkus können Stoffe freisetzen, die das Wasser verunreinigen.
Auch in Bäumen blieben Drohnen hängen. Förster mussten Geräte aus Ästen holen, in einigen Fällen wurden sogar Taucher eingesetzt, um abgestürzte Drohnen aus dem See zu bergen. Nach Angaben der Gemeinde tauchte am Karersee sogar einmal ein Besucher mit einer Unterwasserdrohne auf.
Für Fotos über die Absperrung
Der Karersee ist bekannt für sein grünblaues Wasser und die Spiegelung von Rosengarten und Latemar. Die fotogene Landschaft zieht Besucher aus Europa, Amerika und Asien an.
Ein Teil von ihnen bleibt jedoch nicht auf den angelegten Wegen und Aussichtspunkten. Vor allem für Fotos und Videos wird immer wieder über die Absperrung geklettert, um näher ans Wasser zu gelangen.
Die Zäune sollen verhindern, dass sich große Besuchergruppen über das empfindliche Ufer verteilen. Wer abseits der Wege läuft, kann Vegetation und Boden beschädigen. Außerdem kann solches Verhalten andere Besucher dazu verleiten, dasselbe zu tun.
Sechs Tage pro Woche am Karersee
Ranger Giorgio Poschiavin stammt aus dem nahe gelegenen Fassatal und arbeitete früher als Wanderführer und Skilehrer. Im Mai absolvierte er eine spezielle Ausbildung für den Einsatz als Ranger in Südtirol.
Seit Mitte Mai ist er sechs Tage pro Woche rund um den Karersee präsent. Der Einsatz ist nach aktuellem Stand bis Mitte Oktober geplant und konzentriert sich auf die Zeiten, in denen die meisten Besucher am See sind.
Poschiavin ist vor allem Ansprechpartner und Vermittler. Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, auf Regeln hinzuweisen. Er soll Besuchern auch mehr über den See, den Latemarwald und die Veränderungen des Naturgebiets im Jahresverlauf erzählen.
Auch Sicherheit im Blick
Der Ranger kontrolliert außerdem, ob die unmittelbare Umgebung sicher zugänglich bleibt. Nach starkem Wind können abgebrochene Äste auf die Wanderwege rund um den Karersee fallen. Solche Probleme werden gemeldet, damit die Wege möglichst schnell wieder freigemacht werden können.
Förster achten zudem auf Personen, die illegal im umliegenden Wald campieren oder übernachten. Die verschiedenen Aufsichtskräfte arbeiten zusammen, um den Druck auf das Naturgebiet zu verringern, ohne den Karersee für Besucher zu sperren.
Pilotprojekt an stark besuchten Orten in Südtirol
Der Ranger am Karersee ist Teil eines größeren Pilotprojekts in Südtirol. Auch an anderen stark besuchten Orten werden Ranger eingesetzt, um Besucher zu informieren und empfindliche Naturgebiete besser zu schützen.
Mit diesem Ansatz will die Provinz vor allem verhindern, dass zunehmender Andrang zu Schäden, gefährlichen Situationen oder strengeren Zugangsbeschränkungen führt. Am Karersee bleiben die bestehenden Wanderwege und Aussichtspunkte weiterhin zugänglich.
Für Besucher ändert sich dadurch wenig, solange sie sich an die Regeln halten: hinter der Absperrung bleiben, keine Drohne starten und das geschützte Waldgebiet respektieren. Wer das nicht tut, wird in diesem Sommer mit größerer Wahrscheinlichkeit direkt vom Ranger angesprochen.