Das umstrittene Drehkreuz auf der Seceda bekommt Gesellschaft. Auf einer zweiten Wanderroute zum weltbekannten Blick auf die Geislerspitzen wurde nun ebenfalls eine Zahlstelle eingerichtet. Wer über diesen Weg zur beliebten Fotostelle läuft, muss ebenfalls 5 Euro bezahlen.
Die zweite Zahlstelle soll offenbar verhindern, dass Wanderer das bestehende Drehkreuz über eine andere Route umgehen. Die Maßnahme sorgt erneut für Diskussionen über Besucherandrang, Privatgrund und die Frage, ob ein berühmter Aussichtspunkt in den Dolomiten hinter einer Zahlstelle verschwinden darf.
In Kürze
- Auf einer zweiten Route zur bekannten Fotostelle auf der Seceda gibt es nun ebenfalls eine Zahlstelle.
- Besucher zahlen 5 Euro, müssen aber nicht an beiden Zugängen hintereinander bezahlen.
- Die Gebühr gilt nur für die konkrete Fotostelle auf Privatgrund, nicht für die gesamte Seceda.
- Die Grundeigentümer verweisen auf Schäden an den Almwiesen und hohe Instandhaltungskosten durch den Besucherandrang.
Alternative Route zur Fotostelle jetzt ebenfalls kostenpflichtig
Auf der Seceda steht seit Juni wieder ein Drehkreuz am Wanderweg zur bekannten Fotostelle. Das Tor wird mit Solarenergie betrieben und öffnet sich nach Zahlung von 5 Euro, entweder mit Münzen oder per Karte.
Nicht alle Besucher nutzten jedoch diesen kostenpflichtigen Zugang. Einige versuchten, das Drehkreuz zu umgehen, indem sie über einen anderen Wanderweg zur Fotostelle liefen. Inzwischen haben die Grundeigentümer auch entlang dieser Route eine Zahlstelle eingerichtet. Auch hier kostet der Zugang 5 Euro.
Besucher müssen allerdings nicht an beiden Stellen nacheinander bezahlen. Es handelt sich um zwei verschiedene Zugangswege zu derselben viel fotografierten Stelle.
Weltberühmter Blick dank Social Media
Die Seceda liegt oberhalb von Gröden in Südtirol und ist bekannt für den Blick auf die markanten Geislerspitzen. Vor allem die Kombination aus dem steilen grünen Bergrücken und den schroffen Felszacken im Hintergrund wurde in den vergangenen Jahren immer wieder auf Instagram und TikTok geteilt.
Dadurch hat sich der Ort zu einem internationalen Fotohotspot entwickelt. An gut besuchten Sommertagen fahren große Besucherströme mit der Bergbahn hinauf, um anschließend fast alle dasselbe Bild zu machen.
Die Grundeigentümer sagen, dass dieser Andrang Folgen für ihre Almwiesen hat. Besucher würden abseits der Wege laufen, Gras niedertrampeln und Müll zurücklassen. Beim ersten Drehkreuz wurden deshalb auch Informationstafeln aufgestellt, die über die Arbeit der örtlichen Bauern und den Schutz der Natur informieren.
Nach Angaben der Eigentümer profitieren unter anderem Bergbahnen und andere touristische Betriebe von der Bekanntheit der Seceda, während sie selbst vor allem mit Schäden und Instandhaltungskosten konfrontiert sind.
Ein Hin- und Rückfahrticket für die Seceda-Bahn kostet 74 Euro. Oben angekommen, müssen Besucher für ein Foto mit der berühmten Kulisse nun zusätzlich 5 Euro einplanen.
Müssen alle Besucher auf der Seceda 5 Euro bezahlen?
Nein. Die Zahlstellen sind keine allgemeine Eintrittsgebühr für die gesamte Seceda. Sie befinden sich auf zwei Wegen zu einer bestimmten Fotostelle auf privatem Grund.
Wer vom Bergstation aus über die Seceda wandert oder den Blick auf die Dolomiten an anderen Stellen genießt, muss also nicht automatisch 5 Euro bezahlen. Von mehreren Punkten am Berg sind die Geislerspitzen gut zu sehen.
Nur wer dem Weg zur bekannten Foto-Position folgen möchte, muss mit der zusätzlichen Gebühr rechnen. Wer genau das Bild machen will, das in den sozialen Medien so häufig auftaucht, steht damit vor einem kostenpflichtigen Zugang.
Diskussion um das Drehkreuz ist noch nicht vorbei
Das erste Drehkreuz tauchte im Sommer 2025 auf und löste sofort Kritik aus. Die Gemeinde St. Christina und das Land Südtirol prüften damals, ob die Konstruktion zulässig war.
Im Juni 2026 kehrte das Drehkreuz zurück. Die Provinz Bozen ließ die Situation daraufhin erneut rechtlich prüfen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob für die mobile Konstruktion eine Genehmigung erforderlich ist und wer gegebenenfalls für eine Entfernung zuständig wäre.
Gleichzeitig erklärte ein Vertreter des Südtiroler Katasters gegenüber ORF, dass ein Eigentümer einen Weg auf Privatgrund grundsätzlich sperren oder Geld für den Durchgang verlangen darf. Damit ist die Diskussion wohl noch nicht endgültig beendet.
Besucherandrang auf der Seceda bleibt ein schwieriges Thema
Die Zahlstellen sind Teil einer größeren Diskussion über den Andrang auf der Seceda. Zuvor war bereits über Zeitfenster, Reservierungen und variable Preise für die Bergbahn gesprochen worden. Ein angekündigtes System, mit dem Besucher besser über den Tag verteilt werden sollten, hat die Probleme rund um die berühmte Fotostelle bisher offenbar nicht gelöst.
Für Bergliebhaber bleibt der Gegensatz groß. Die Seceda ist ein eindrucksvolles Wanderziel und hat deutlich mehr zu bieten als nur ein einziges bekanntes Foto. Trotzdem konzentriert sich ein großer Teil der Besucher auf genau diesen einen Punkt. Mit der zweiten Zahlstelle versuchen die Grundeigentümer nun, diesen Besucherfluss stärker zu kontrollieren und zugleich eine Entschädigung für Aufwand und Schäden zu erhalten.