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Unwetter treffen Sölden und Pitztal: Evakuierungen, Muren und gesperrte Straßen

Wild Water
© Unsplash / Wolfgang Hasselmann

Heftige Gewitter haben am Mittwochabend im Westen Tirols große Schäden verursacht. Besonders betroffen waren Vent und Sölden im Ötztal, wo es zu Überschwemmungen sowie Schlamm- und Geröllströmen kam. Dreißig Menschen mussten bei Vent ihre Unterkunft verlassen, in Sölden liefen Keller und Tiefgaragen voll Wasser. Auch im nahe gelegenen Pitztal kam es erneut zu Problemen: Zwei Muren blockierten dort die einzige Straße in den hinteren Talbereich. Verletzt wurde nach bisherigen Informationen niemand.

In Kürze

  • Schwere Gewitter lösten am Mittwochabend Muren im Ötztal und Pitztal aus.
  • Bei Vent mussten 30 Menschen vorübergehend evakuiert werden.
  • In und rund um Sölden wurden mehrere Hundert Menschen vorsorglich in Sicherheit gebracht.
  • Die L16 im Pitztal ist bei Plangeross gesperrt; wie lange die Sperre dauert, ist noch unklar.

Große Mure knapp an Häusern in Vent vorbei

Gegen 20.45 Uhr zog ein schweres Gewitter über Vent, ein Bergdorf im hinteren Ötztal. Bei den Rofenhöfen oberhalb des Ortes verwandelte sich der sonst kleine Rofenbach innerhalb kurzer Zeit in einen reißenden Strom aus Wasser, Schlamm und Steinen. Die Mure ging knapp an mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden vorbei und verlegte die Straße.


Rund 30 Menschen wurden vorsorglich evakuiert. Sie verbrachten die Nacht vorübergehend in einem Hotel in Vent. Ein Parkplatz wurde teilweise weggespült, mehrere Autos wurden beschädigt. Auch der Strom fiel kurzzeitig aus, die Versorgung konnte am Mittwochabend aber wiederhergestellt werden.


Die Mure dürfte die Häuser bei den Rofenhöfen nur knapp verfehlt haben. Laut Bürgermeister Ernst Schöpf ist der Schaden dennoch erheblich. Neben Fahrzeugen und Wirtschaftsgebäuden wurden auch Straßen und weitere Infrastruktur beschädigt.

Hunderte Menschen in Sölden zeitweise in Sicherheit gebracht

Nach Vent zog das Unwetter weiter in Richtung Sölden. Im Ortszentrum liefen Keller und Tiefgaragen voll Wasser. Auch in anderen Teilen der Gemeinde sorgten hohe Wasserstände und mitgerissenes Geröll für Probleme.


Nach Angaben der Leitstelle wurden in und rund um Sölden zeitweise etwa 200 bis 300 Menschen in Sicherheit gebracht. In der Freizeitarena wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Feuerwehr, Rettungsdienst und Bergrettung waren mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Nachdem sich die Lage gegen 23.15 Uhr beruhigte, konnten die meisten Evakuierten wieder in ihre Unterkünfte zurückkehren.


Wegen des Unwetters verschickte das Land Tirol einen AT-Alert an Mobiltelefone in der Gemeinde. Gleichzeitig heulten die Sirenen für den Zivilschutzalarm. Bewohner und Urlauber wurden dringend aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben, höhere Stockwerke aufzusuchen und Keller, Tunnel, Brücken sowie Uferbereiche zu meiden. Die Warnungen wurden am späten Abend wieder aufgehoben.

Große Sorge um die Kläranlage

Am Donnerstagmorgen bereitet vor allem die Kläranlage bei Sölden Sorgen. Das Gelände rund um die Anlage liegt voller Schlamm und Steine. Wie groß die Schäden im Gebäude selbst sind, muss noch untersucht werden. Die Zufahrtsbrücke blieb stehen, die Straße zur Anlage muss jedoch mit Baggern freigeräumt werden.


Entlang des Rofenbachs und der Ötztaler Ache hat sich die Lage inzwischen beruhigt. Während des Unwetters setzte sich durch die verschiedenen Muren jedoch eine Welle aus Wasser und Geröll in Richtung des unteren Ötztals in Bewegung. Feuerwehren entlang des Flusses kontrollierten deshalb Brücken und Gebäude besonders aufmerksam.

Erneut Muren im Pitztal

Fast gleichzeitig wurde auch das hintere Pitztal von lokalem Unwetter mit starkem Regen und Hagel getroffen. Vor und hinter dem Ort Plangeross gingen zwei große Muren ab. Sie bedeckten Teile der L16 Pitztalstraße und stauten das Wasser der Pitze auf. Häuser wurden nicht getroffen, Evakuierungen waren nicht nötig.


Die Straße ist bis Weißwald normal erreichbar, weiter taleinwärts ist die L16 jedoch gesperrt. Dadurch sind Plangeross, Mandarfen sowie das Gebiet rund um den Rifflsee und den Pitztaler Gletscher vorerst nicht über die übliche Route erreichbar. Die Aufräumarbeiten begannen bereits in der Nacht und wurden am Donnerstagmorgen fortgesetzt. Wie lange die Sperre dauert, ist noch nicht bekannt.


Es ist bereits das zweite Mal innerhalb eines Monats, dass Muren die L16 blockieren. Ende Juni wurde die Straße etwa zehn Kilometer weiter nördlich schwer beschädigt. Teile der Fahrbahn wurden damals weggespült, rund tausend Bewohner und Urlauber waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Schaden dieses früheren Ereignisses wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

Was bedeutet das für Urlauber?

Wer sich derzeit in Sölden oder Vent aufhält, sollte den Anweisungen der Gemeinde, der Unterkunft und der Einsatzkräfte folgen. Gehe nicht selbst zu den betroffenen Stellen, um dir ein Bild zu machen, und halte Abstand von Bächen, Ufern, beschädigten Straßen und Aufräumarbeiten. Auch nach dem Abzug eines Gewitters können Hänge instabil bleiben und Bäche plötzlich wieder viel Wasser und Geröll führen.


Reisende nach Vent und ins hintere Pitztal sollten vor der Abfahrt die aktuelle Verkehrslage prüfen. Navigationssysteme erfassen kurzfristige Sperren nicht immer sofort, und eine lokale Umleitung ist in engen Alpentälern oft nicht möglich. Für die L16 bei Plangeross war am Donnerstagmorgen noch kein Zeitpunkt für eine Wiederöffnung bekannt.


Obwohl die Schäden groß sind, wurden bei den Muren und Überschwemmungen nach bisherigem Stand keine Menschen verletzt. Die Alarmsituation in Sölden ist aufgehoben, die Aufräumarbeiten und Kontrollen werden am Donnerstag jedoch noch einige Zeit andauern.