Durch eine Klamm zu wandern bringt dich dem Wasser näher als fast jede andere Bergwanderung. In diesem Überblick findest du vierzehn der schönsten Klammen in den Alpen, verteilt auf Österreich, Deutschland, die Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien. Zu jeder Klamm erfährst du, wie lange die Route dauert, für wen die Wanderung geeignet ist und was du vorher überprüfen solltest. So findest du schnell eine Klammwanderung, die zu deinem Reiseziel, deiner Kondition und deiner Reisegruppe passt.
Kurz zusammengefasst
- Ein vollständiger Überblick über Klammen in fünf Alpenländern.
- Zu jeder Klamm erfährst du mehr über die Wanderdauer, die Lage und darüber, für welchen Wandertyp die Route geeignet ist.
- Überprüfe immer die aktuellen Öffnungszeiten: Hochwasser, Gewitter oder Steinschlag können zu einer vorübergehenden Schließung führen.
Warum eine Klammwanderung anders ist als eine gewöhnliche Wanderung
Eine Klamm oder Schlucht wird durch fließendes Wasser in das Gestein geschliffen. Der Weg führt oft über Holzstege, Metallbrücken, Treppen und durch kurze Tunnel. Du wanderst dicht am Wasser entlang und manchmal zwischen steilen Felswänden, in die kaum Tageslicht hinunterkommt.
Die Anzahl der Kilometer sagt deshalb nicht alles aus. Eine ein Kilometer lange Route mit Hunderten von Treppenstufen kann anstrengender sein als ein fünf Kilometer langer, ebener Wanderweg. Außerdem ist es in einer Klamm oft kühler, feuchter und rutschiger als außerhalb. Festes Schuhwerk mit gutem Profil ist daher fast immer sinnvoll.
Manche Orte sind vor allem ausgebaute Sehenswürdigkeiten, für die du Eintritt bezahlst. Andere Klammen bilden lediglich einen Teil einer längeren Bergwanderung. Überprüfe deshalb nicht nur die Länge der Klamm, sondern auch die gesamte Route ab dem Parkplatz oder der Bushaltestelle.
Klammen in Österreich
Österreich zählt Dutzende von Klammen, in denen sich Gebirgsbäche tief durch das Gestein gegraben haben. Über Holzbrücken, Treppen und schmale Wege wanderst du dicht an Wasserfällen und steilen Felswänden entlang. Die Routen reichen von kurzen Familienausflügen bis hin zu längeren Klammwanderungen von mehreren Stunden.
Tiefenbachklamm
Die Tiefenbachklamm folgt der Brandenberger Ache zwischen Kramsach und Brandenberg in Tirol. Der Weg führt über schmale, aber gesicherte Passagen, entlang von Felswänden und über drei Brücken. Nach dem engen Abschnitt öffnet sich das Tal bei einer Wiese und der Jausenstation Tiefenbachklamm.
- Route: 7,43 km, etwa 3 Stunden und 227 Höhenmeter
- Empfehlenswert für Urlaube in: Alpbachtal, Kramsach und Brandenberg
- Besonders geeignet für: aktive Familien und Wanderer, die mehr als eine kurze Klammroute suchen
Sigmund-Thun-Klamm
Die Sigmund-Thun-Klamm liegt am Rand von Kaprun und wurde von der Kapruner Ache ausgeschliffen. Die ausgebaute Route ist nur 320 Meter lang, zählt aber 263 Stufen. Über Holzstege und Brücken gehst du dicht am schnell fließenden Wasser entlang.
- Route: 320 Meter durch die Klamm; etwa 30 Minuten
- Empfehlenswert für Urlaube in: Kaprun, Zell am See und dem Nationalpark Hohe Tauern
- Besonders geeignet für: Familien und UrlauberInnen mit einem halben Tag Zeit
Vorderkaserklamm
Die Vorderkaserklamm liegt zwischen St. Martin bei Lofer und Weißbach im Salzburger Saalachtal. Die Klamm ist etwa 400 Meter lang und bis zu achtzig Meter tief. An der engsten Stelle liegen zwischen den Felswänden nur achtzig Zentimeter.
- Route: 400 Meter durch die Klamm; plane etwa eine Stunde ein
- Empfehlenswert für Urlaube in: Lofer, St. Martin bei Lofer und dem Salzburger Saalachtal
- Besonders geeignet für: Familien mit wandernden Kindern und BesucherInnen, die die Wanderung mit Spielen oder Schwimmen verbinden möchten
Unser Tipp: Liechtensteinklamm bei St. Johann im Pongau
Die Liechtensteinklamm liegt wenige Kilometer außerhalb von St. Johann im Pongau im Salzburger Land. Die für BesucherInnen zugängliche Route führt über Brücken und Treppen zu einem Wasserfall tief in der Klamm. Blickfang ist die Helix, eine Wendeltreppe, die zwischen den Felsen etwa dreißig Meter nach unten führt.
Vom Eingang aus sind ungefähr 800 Meter der Klamm zugänglich. Du gehst denselben Weg zurück und passierst dabei 444 Stufen und etwa 80 Höhenmeter. Die Klamm ist daher weniger geeignet für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder für Eltern mit Kinderwagen. Für Familien mit Kindern, die sicher selbstständig Treppen steigen können, ist sie jedoch ein tolles Ausflugsziel.
- Route: etwa 1,6 km hin und zurück; plane mindestens eine Stunde ein
- Empfehlenswert für Urlaube in: St. Johann im Pongau und im Salzburger Land
- Besonders geeignet für: Familien mit älteren Kindern und BesucherInnen, die kein Problem mit Treppen haben
Klammen in Deutschland
Auch in den deutschen Alpen findest du Klammen, in denen sich wilde Bergbäche und -flüsse tief zwischen die Felswände gegraben haben. Besonders in Bayern und im Allgäu wanderst du durch Tunnel, über Stege und auf schmalen Felsenwegen durch das Herz der Klamm. Manche Routen sind eher kurze Spaziergänge, andere bilden den Beginn einer längeren Bergwanderung.
Partnachklamm
Die Partnachklamm liegt südlich von Garmisch-Partenkirchen und ist etwa 700 Meter lang. Der Weg führt durch Tunnel und Galerien, die direkt in der Felswand angelegt wurden. An manchen Stellen ragen die Wände etwa achtzig Meter über dem Wasser auf.
- Route: Klamm von etwa 700 Metern; Rundwanderung ab ungefähr 6,3 km
- Empfehlenswert für Urlaube in: Garmisch-Partenkirchen und der Zugspitzregion
- Besonders geeignet für: eine kurze Klammwanderung oder als Beginn einer längeren Bergtour
Breitachklamm
Die Breitachklamm liegt zwischen Oberstdorf in Deutschland und dem österreichischen Kleinwalsertal. Du wanderst auf einem gesicherten Weg entlang der Breitach, die sich zwischen hohen und teilweise sehr schmalen Felswänden ihren Weg gebahnt hat. Es gibt Eingänge auf der Seite von Tiefenbach und bei der Walserschanz.
- Route: verschiedene Wandervarianten ab beiden Eingängen
- Empfehlenswert für Urlaube in: Oberstdorf, dem Allgäu und dem Kleinwalsertal
- Besonders geeignet für: Wanderer, die Route und Entfernung selbst zusammenstellen möchten
Unser Tipp: Leutaschklamm bei Mittenwald und Leutasch
Die Leutaschklamm, auch Leutascher Geisterklamm genannt, liegt genau an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Die Leutascher Ache fließt dort zwischen steilen Felswänden hindurch, während Metallstege und eine Panoramabrücke hoch über dem Wasser hängen. Unterwegs informieren Themenstationen über die Entstehung sowie über die Pflanzen und Tiere der Klamm.
Die große Klammrunde ab dem Parkplatz P19 in Leutasch ist 3,2 Kilometer lang, weist 130 Höhenmeter auf und dauert ungefähr eine Stunde. Eine umfangreichere Route nach Mittenwald und zum Wasserfallsteig ist fünf Kilometer lang und dauert etwa 2,5 Stunden. Der 200 Meter lange Wasserfallsteig endet an einem 23 Meter hohen Wasserfall und ist gegen Eintritt zugänglich.
- Route: 3,2 km und etwa 1 Stunde; vollständige Runde mit Wasserfallsteig 5 km und 2,5 Stunden
- Empfehlenswert für Urlaube in: Mittenwald, Leutasch und der Region Seefeld
- Besonders geeignet für: Familien mit wandernden Kindern und Wanderer ohne Höhenangst
Leutaschklamm in Bildern
Klammen in der Schweiz
Die Schweiz bietet verschiedene Klammen, in denen sich Flüsse tief zwischen die Felswände gegraben haben. Über Stege, durch Tunnel und auf steilen Treppen wanderst du dicht am Wasser entlang, manchmal Dutzende Meter unterhalb der umliegenden Landschaft. Die Routen reichen von kurzen, leicht zugänglichen Ausflügen bis hin zu kompakten Wanderungen mit beträchtlichen Höhenunterschieden.
Aareschlucht bei Meiringen
Die Aareschlucht liegt im Haslital zwischen Meiringen und Innertkirchen. Die Route durch die Klamm ist 1,4 Kilometer lang und führt über gut gesicherte Stege, durch Tunnel und über befestigte Naturwege. An den engsten Stellen liegen zwischen den Felswänden nur ein bis zwei Meter.
Die Wanderung durch die gesamte Klamm dauert etwa 45 Minuten. Du hast die Möglichkeit, über einen Wanderweg zurückzukehren oder zwischen den beiden Eingängen den Zug zu nehmen. Ab dem Westeingang ist der erste Abschnitt für gebräuchliche Rollstühle und schmale Kinderwagen zugänglich, allerdings gilt das nicht für die gesamte Route.
- Route: 1,4 km durch die Klamm; etwa 45 Minuten pro Strecke
- Empfehlenswert für Urlaube in: Meiringen, Haslital und Berner Oberland
- Besonders geeignet für: eine erste Klammwanderung und Familien mit kleinen Kindern
Viamala-Schlucht bei Thusis
Die Viamala liegt an einem historischen Durchgang zwischen Thusis und den Alpenpässen in Richtung Süden. Der Hinterrhein hat hier eine Schlucht ausgeschliffen, deren Felswände an manchen Stellen etwa 300 Meter hoch sind.
Vom Besucherzentrum steigst du über 359 Stufen in das Herz der Schlucht hinab. Für den Abstieg, die Besichtigung der Schlucht und den Rückweg benötigst du etwa 30 bis 45 Minuten. Die Viamala ist damit vor allem ein Ausflugsziel mit vielen Treppen und keine lange Wanderroute.
- Route: 359 Stufen; etwa 30 bis 45 Minuten
- Empfehlenswert für Urlaube in: Graubünden, Thusis und an der San-Bernardino-Route
- Besonders geeignet für: LiebhaberInnen von Geologie und Berggeschichte
Unser Tipp: Rheinschlucht bei Flims und Ilanz
Die Rheinschlucht, auf Rätoromanisch Ruinaulta genannt, liegt zwischen Ilanz und Reichenau im Schweizer Kanton Graubünden. Der Vorderrhein fließt hier zwischen hellen Felswänden hindurch, die bis zu etwa 300 Meter über den Fluss hinausragen. Anders als bei vielen ausgebauten Klammen wanderst du nicht über Holzstege und Treppen, sondern auf gewöhnlichen Wanderwegen am Fluss entlang und durch die umliegenden Wälder.
Eine gut zugängliche Route führt vom Bahnhof Valendas-Sagogn nach Versam-Safien. Diese Wanderung ist 4,5 Kilometer lang, dauert ungefähr eine Stunde und fünfzehn Minuten und eignet sich auch für Familien mit wandernden Kindern. Da beide Endpunkte an der Bahnlinie liegen, ist es eine schöne Option, einfach mit der Rhätischen Bahn zurückzufahren. Wer die gesamte Schlucht durchqueren möchte, sollte wissen, dass zwischen Versam und Trin kein durchgehender Wanderweg am Fluss entlang verläuft.
- Route: 4,5 km von Valendas-Sagogn nach Versam-Safien; etwa 1 Stunde und 15 Minuten
- Empfehlenswert für Urlaube in: Flims, Laax, Ilanz und Graubünden
- Besonders geeignet für: Familien und Wanderer, die eine einfache Klammwanderung mit einer Zugfahrt verbinden möchten
Die Rheinschlucht in Bildern
Klammen in Italien
Auch in den italienischen Alpen gibt es Klammen, in denen sich Gebirgsbäche tief durch das Gestein geschnitten haben. Holzbrücken, Treppen und schmale Wege führen an Wasserfällen und steilen Felswänden entlang. Besonders in Südtirol und Norditalien sind verschiedene Klammen für eine kurze Wanderung oder einen aktiven halben Tag zugänglich.
- Gilfenklamm: Die Gilfenklamm liegt bei Ratschings, westlich von Sterzing in Südtirol. Der Ratschinger Bach fließt hier durch hellen Marmor. Das unterscheidet diese Klamm von den meist dunklen Kalk- und Schieferklammen in anderen Teilen der Alpen.
- Bletterbachschlucht: Die Bletterbachschlucht bei Aldein ist mit einer Länge von etwa acht Kilometern die größte Schlucht Südtirols. Während der Wanderung siehst du deutlich verschiedene Gesteinsschichten und fossile Spuren, die die geologische Geschichte der Dolomiten zeigen. In der Schlucht ist das Tragen eines bereitgestellten Helms verpflichtend.
- Serrai di Sottoguda: Die Serrai di Sottoguda ist eine etwa zwei Kilometer lange Klamm zwischen Sottoguda und Malga Ciapela am Fuß der Marmolata. Die Route führt zwischen mehr als hundert Meter hohen Felswänden hindurch. Ein Helm und geeignetes Schuhwerk sind verpflichtend.
Klammen in Frankreich
In den französischen Alpen findest du Klammen, in denen sich Gebirgsbäche tief zwischen Kalkstein und Granit eingegraben haben. Über Stege, Treppen und schmale Wege wanderst du an Wasserfällen und steilen Felswänden entlang. Einige Klammen eignen sich für einen kurzen Ausflug, andere sind Teil einer längeren Wanderung.
- Les Gorges de la Diosaz: Les Gorges de la Diosaz liegt bei Servoz im westlichen Teil des Chamonix-Tals. Der Weg folgt der Klamm über Brücken, Treppen und Passagen entlang mehrerer Wasserfälle.
- Gorges du Pont du Diable: Die Gorges du Pont du Diable liegt bei La Vernaz zwischen Morzine und Thonon-les-Bains. Auf der etwa 45-minütigen Besichtigungsroute steigst du durch einen Buchenwald zu Stegen hinab, die in der Felswand verankert sind. Eine Glasplattform hängt sechzig Meter über der Schlucht.
Unser Tipp: Gorges du Fier bei Annecy
Die Gorges du Fier liegt bei Lovagny, etwa zehn Kilometer westlich von Annecy. Du gehst über einen 252 Meter langen Steg, der in der Felswand verankert ist, etwa 25 Meter über dem Fluss.
Für den vollständigen Besuch wird etwa eine Stunde eingeplant. Dies ist eher eine leicht zugängliche Sehenswürdigkeit als eine lange Wanderung. Kinderwagen sind nicht erlaubt, und Kinder, die noch nicht selbstständig laufen, müssen in einer Trage mitgenommen werden. Die Klamm ist normalerweise von Mitte März bis Mitte Oktober geöffnet.
- Route: kurze Besichtigungsroute; plane etwa eine Stunde ein
- Praktisch für Urlaube in: Annecy, Haute-Savoie und der Umgebung von Genf
- Besonders geeignet für: Familien und einen Ausflug an einem Reise- oder Ruhetag
Gorges du Fier in Bildern
Praktische Tipps für das Wandern durch eine Klamm
Eine Klammwanderung wirkt auf dem Papier manchmal kurz, aber unterschätze das Gelände nicht. In Klammen ist es oft kühler, feuchter und rutschiger als auf gewöhnlichen Wanderwegen.
- Überprüfe die Öffnung am selben Tag: Eine Klamm kann auch mitten in der Saison vorübergehend schließen. Mögliche Ursachen sind Hochwasser, Gewitter, herabfallendes Gestein, Schäden an Stegen oder Wartungsarbeiten. Ein alter Blogbeitrag, eine Routen-App oder eine Karte reichen deshalb nicht aus: Überprüfe immer den offiziellen Status.
- Achte auf die gesamte Route und nicht nur auf die Länge der Klamm: Bei der Partnachklamm liegt der Parkplatz mehr als zwei Kilometer vom Eingang entfernt. Bei der Vintgar-Klamm gehört der Rückweg zum Besuch dazu, und in der Tiefenbachklamm wanderst du nach den engen Passagen noch weiter zur Jausenstation. Die gesamte Wanderzeit kann daher deutlich länger sein, als die Länge der Klamm vermuten lässt.
- Starte früh oder am späten Nachmittag: Bekannte Klammen haben schmale Wege, auf denen man nicht immer einfach aneinander vorbeikommt. Vor allem zwischen etwa 11.00 und 15.00 Uhr kann es voll werden. Ein früher Besuch oder ein Ausflug am späten Nachmittag bietet in der Regel mehr Platz und Entspannung.
- Trage Schuhe mit ausreichend Profil: Holzstege, Steintreppen und Metallgitter können nass und rutschig sein, auch wenn es außerhalb der Klamm schon seit Tagen trocken ist. Für einfache Routen reichen meist niedrige Wanderschuhe mit gutem Profil aus. Glatte Sneaker und Flip-Flops sind keine sinnvolle Wahl.
- Nimm eine zusätzliche Kleidungsschicht mit: In einer tiefen Klamm kommt nur wenig Sonnenlicht an. Dadurch kann die Temperatur deutlich niedriger sein als auf dem Parkplatz oder im Tal. Ein dünner Pullover oder eine Regenjacke sind auch an einem warmen Sommertag empfehlenswert.
- Kinderwagen besser zu Hause lassen: Nur Teile einiger Klammen, wie etwa der Aareschlucht ab dem Westeingang, sind mit einem schmalen Kinderwagen zugänglich. Bei den meisten anderen Routen machen Treppen, Tunnel und schmale Stege die Nutzung eines Kinderwagens unmöglich. Verwende für kleine Kinder eine geeignete Kindertrage.