Die Alpen lohnen sich wie kaum ein anderes Gebiet für Mehrtagestouren. Morgens den Sonnenaufgang beobachten und abends sehen, wie die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Umrahmt von schroffen Felsen und Altschneefeldern. Das ist Schönheit pur. Über kurz oder lang kommen so alle Wander- und Tourenfans auf die Idee, einmal mehrere Tage am Stück zu gehen und einen der alpinen Klassiker nachzuwandern. Das perfekt ausgebaute Hüttennetzwerk und die optimale Versorgung in den Alpen tragen maßgeblich zum Erfolg bei. IndenBergen hat fünf Touren herausgesucht, die das Zeug haben, zu begeistern und ein wunderbares Bergvergnügen versprechen.
Kurz zusammengefasst
- Fünf abwechslungsreiche Mehrtagestouren in den Alpen: der anspruchsvolle Ötztal Trek, die Lechtaler Überschreitung, die Tour du Val de Bagnes, die Berchtesgadener Runde und die Tour du Mont Blanc.
- Die Strecken reichen von mittelschweren Hüttentouren mit mehreren Etappen bis zu anspruchsvollen Hochtouren über Gletscher und durch alpine Landschaften. Besonders erfahrene BergsteigerInnen sollten den 400 Kilometer langen Ötztal Trek und die Tour du Mont Blanc nur mit entsprechender Bergerfahrung beziehungsweise BergführerIn angehen.
- Für eine Mehrtagestour sind robuste Bergschuhe, ein ausreichend großer Rucksack, Regen- und Wechselkleidung, Hüttenschlafsack, Erste-Hilfe-Set sowie je nach Höhenlage warme Kleidung wichtig. Auch die Versorgung unterwegs sollte vorab geplant werden.
1. Ötztal Trek – erfahrene AlpinistInnen gehen über den Gletscher
Nicht nur der Ötzi macht das Ötztal in Tirol so bekannt, sondern auch der Ötztaler Gletscher. Diesen überquert man, wenn der 22-tägige Ötztal Trek auf dem Programm steht. Der Rundweg mit Start und Ziel Ötztal-Bahnhof verläuft häufig oberhalb der 3.000er Marke und ist eine Tour für erfahrene AlpinistInnen und BergsteigerInnen. Auf 400 Kilometern Länge überwindet man fast 30.000 Höhenmeter. Nach jeder Tagesetappe bietet sich die Möglichkeit, auszusteigen, so dass man sehr gut auch nur ein Teil des Weges wandern kann. Spektakulär sind die Aussichten und dazu noch besonders abwechslungsreich. Wer schon immer „ewiges Eis“ queren wollte, ist auf der Tour genau richtig.
- Start: Ötztal Bahnhof
- Länge: 400 km | Dauer: 22 Tage | Höhenmeter: 30.000 m
- Schwierigkeitsgrad: schwer
- Beste Jahreszeit: Juli bis September
- Gut zu wissen: Alpine Tour, die man nur mit Bergerfahrung machen sollte
- Ausrüstung: Bergstiefel, Hüttenaustattung, Wanderrucksack
- Einkehrmöglichkeiten: ja, mehrere
2. Lechtaler Überschreitung – Alpine Tour für erfahrene Wanderer über den Kamm
Auch in Tirol befinden sich die Lechtaler Alpen, die Wanderern einiges bieten. Neben dem 8-tägigen Lechweg gibt es auch die Lechtaler Überschreitung, die in 4 Tagen begangen werden kann. Der Weg führt dabei von Gramais nach Kaisers und bewältigt 3.500 Höhenmeter. Das Gebirge ist wild und abwechslungsreich, führt über Bäche und durch Wald, Kar- und Bergwiesenlandschaften. Gut ausgestattete Berghütten am Ende jeder Etappe belohnen für die teils alpinen Anstiege. Nach 35 Kilometern hat man es über den Kamm geschafft und dabei sogar einige kleine Kletterstellen passiert, die mit Drahtseil gesichert sind.
- Start: Gramais
- Länge: 35 km | Dauer: 4 Tage | Höhenmeter: 3.500 m
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Beste Jahreszeit: Juli bis September
- Gut zu wissen: Alpine Tour, die man nur mit Bergerfahrung machen sollte
- Ausrüstung: Bergstiefel, Hüttenaustattung, Wanderrucksack
- Einkehrmöglichkeiten: ja, mehrere
3. Tour du Val de Bagnes – Mittlere Mehrtagestour hoch zum Bergsee
Auch die Walliser Alpen in der Schweiz sind ein perfektes Gebiet für Mehrtages-Treks. Zum Beispiel der Höhenweg oberhalb des Val de Bagnes. Direkt die erste von fünf Etappen, die in Verbier startet, führt zum grandiosen Lac de Louvie. Der Bergsee, eingebettet in grüne Wiesen und zwischen schneeweißen Kuppen entschädigt für jeden Meter des Aufstiegs. Tag für Tag bewegt man sich näher an das Grand-Combine-Massiv das mit 4314 Metern alles überragt. Die Tour überquert einen flachen Gletscher bevor man nach 51 Kilometern und 3.400 Höhenmeter ans Ziel gelangt. Besonderes Highlight: Die Tour ist nicht überlaufen und bietet Einsamkeit für Genusswanderer.
- Start: Verbier
- Länge: 51 km | Dauer: 5 Tage | Höhenmeter: 3.400 m
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Beste Jahreszeit: Juli bis September
- Gut zu wissen: Gletscher-Überquerung
- Ausrüstung: Bergstiefel, Hüttenaustattung, Wanderrucksack
- Einkehrmöglichkeiten: ja, mehrere
4. Berchtesgadener Runde – Mittlere Mehrtagestour durch den Nationalpark
Wer nach einer Postkartenlandschaft mit großen Namen sucht, ist auf der Berchtesgadener Runde im gleichnamigen Nationalpark gut aufgehoben. Die viertägige Rundtour, die am Königsee startet, ermöglicht gleich drei Postkartenmotive: Watzmann, Königssee und die roten Türme von St. Bartolomä. Lange Gehzeiten und saftige Anstiege sollte man gewöhnt sein, wenn man den Trek zum kältesten See Deutschlands auf sich nimmt. Mit -49 Grad ist der Funtensee im Winter unvorstellbar kalt. Saftige Bergwiesen, Felsüberschreitungen und Gämse bereichern den Weg, der fast 4.000 Höhenmeter überwindet. Die Almen und Hütten unterwegs versprechen exzellente Bewirtung.
- Start: Königssee
- Länge: unbekannt | Dauer: 4 Tage | Höhenmeter: 4.000 m
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Beste Jahreszeit: Juli bis Oktober
- Gut zu wissen: Der Funtensee ist der älteste See Deutschlands
- Ausrüstung: Bergstiefel, Hüttenaustattung, Wanderrucksack
- Einkehrmöglichkeiten: ja, mehrere
5. Tour du Mont Blanc – Schwierige Mehrtagestour zum König der Alpen
Ein Traum jedes Bergsteigers ist der 4.810 Meter hohe Mont Blanc zwischen Frankreich und Italien. Auch wenn man den Berg selbst auf der 12-tägigen Tour nicht besteigt, so lernt man ihn doch besser kennen. Auf 170 Kilometern umrundet man den Giganten aus Eis und Fels. Die Tour startet in Les Houches und wartet mit 10.000 Höhenmetern auf. Die steilen Flanken, filigranen Türme und Landschaften aus Schnee und Geröll sowie die drei Länder Schweiz, Italien und Frankreichg bieten feinstes alpines Vergnügen für Bergwanderer. Sehr schwierige Stellen lassen sich umgehen. Trotzdem lohnt es sich, für die Tour mit einem Bergführer oder einer Bergführerin unterwegs zu sein. Belohnen kann man sich am Ende in Chaminix mit einem bequemen Hotelbett.
- Start: Les Houches
- Länge: 170 km | Dauer: 12 Tage | Höhenmeter: 10.000 m
- Schwierigkeitsgrad: schwer
- Beste Jahreszeit: Juli bis September
- Gut zu wissen: Hochgebirgs-Wanderung
- Ausrüstung: Bergstiefel, Hüttenaustattung, Wanderrucksack
- Einkehrmöglichkeiten: ja, mehrere
Mehr Informationen zur Ausrüstung für eine Mehrtagestour
Während man bei normalen Wandertouren nur mit kleinem, leichtem Gepäck unterwegs ist, benötigen Wanderer für eine gelungene Mehrtagestour doch etwas mehr Ausrüstung. Allen voran an den Füßen: trittfeste Bergstiefel gehören als Basis dazu. In den mit ca. 25+ Litern ausgestatteten Rucksack gehören eine Regenjacke, Wechselklamotten, Hüttenschuhe, ein Hüttenschlafsack und ein Erste-Hilfe-Set. Zudem erleichtern Wanderstöcke die Auf- und Abstiege enorm. Je nachdem wie hoch man geht, sollten Handschuhe, Mütze und Daunenjacke ebenfalls ins Gepäck, auch im Sommer. Außerdem sollte man sich informieren, ob man unterwegs die Vorräte jederzeit wieder auffüllen kann. Ein paar Müsliriegel und Magnesiumtabletten im Gepäck schaden nie.
Tipps für Mehrtagestouren in den Alpen
Mehrtagestouren in den Alpen sind ein ganz besonderes Erlebnis. Tag für Tag geht es durch schroffe Berglandschaften, über blühende Almen und vorbei an glitzernden Bergseen. Morgens den Sonnenaufgang über den Gipfeln erleben und abends müde, aber glücklich in einer Berghütte ankommen – schöner kann Bergwandern kaum sein. Damit die Tour zu einem gelungenen Abenteuer wird, ist eine gute Vorbereitung jedoch unverzichtbar.
- Eine passende Route auswählen: Nicht jede Mehrtagestour eignet sich für alle Wanderer. AnfängerInnen beginnen am besten mit einer kürzeren Hüttentour und moderaten Etappen. Anspruchsvolle Kammwege, Gletscherquerungen und hochalpine Strecken sollten erfahrenen BergsteigerInnen vorbehalten bleiben.
- Etappen realistisch planen: Lange Distanzen und viele Höhenmeter können schnell an die Substanz gehen. Plane ausreichend Zeit für Pausen, Fotostopps und unvorhergesehene Verzögerungen ein. Kürzere Tagesetappen sorgen dafür, dass am Ende noch Kraft für den nächsten Tag bleibt.
- Hütten frühzeitig reservieren: Gerade beliebte Mehrtagestouren sind in der Hauptsaison oft stark frequentiert. Schlafplätze auf den Berghütten sollten deshalb rechtzeitig reserviert werden. Informiere dich außerdem über Öffnungszeiten, Verpflegung und Übernachtungsbedingungen.
- Das Wetter ernst nehmen: In den Alpen kann sich das Wetter innerhalb kurzer Zeit verändern. Prüfe die Wettervorhersage vor jeder Etappe und verschiebe eine Tour bei Gewittergefahr, starkem Schneefall oder schlechter Sicht lieber.
- Mit leichtem, aber vollständigem Gepäck unterwegs sein: Ein gut gepackter Rucksack erleichtert jede Etappe. Unverzichtbar sind feste Bergschuhe, Regenbekleidung, Wechselkleidung, Hüttenschlafsack, Erste-Hilfe-Set und Snacks und ausreichend Wasser. Je nach Höhenlage gehören auch Mütze, Handschuhe und eine warme Jacke ins Gepäck.
- Höhenmeter nicht unterschätzen: Nicht nur die Kilometerzahl entscheidet über den Schwierigkeitsgrad. Steile Anstiege, lange Abstiege und ausgesetzte Passagen können sehr anstrengend sein. Achte deshalb immer auf Höhenmeter, Wegbeschaffenheit und alpine Gefahren.
- Die Orientierung sichern: Auch gut markierte Wege sind bei Nebel oder schlechtem Wetter möglicherweise schwer zu erkennen. Eine Wanderkarte, ein GPS-Gerät oder eine verlässliche Wander-App helfen bei der Orientierung. Das Smartphone sollte vollständig geladen und durch eine Powerbank ergänzt werden.
- Gletscher und ausgesetzte Stellen meiden oder professionell angehen: Gletscherquerungen und schwierige alpine Passagen gehören nicht in unerfahrene Hände. Wer solche Strecken plant, sollte sich von qualifizierten BergführerInnen begleiten lassen und die notwendige Ausrüstung beherrschen.
- Ausreichend trinken und essen: Bei langen Etappen benötigt der Körper viel Energie. Wasser, Müsliriegel, Nüsse und andere leichte Snacks gehören daher in jeden Rucksack. Prüfe vorab, ob es unterwegs Quellen, Hütten oder andere Möglichkeiten zum Auffüllen der Vorräte gibt.
- Die Natur respektieren: Die Alpen sind ein empfindlicher Lebensraum. Bleibe auf den markierten Wegen, vermeide unnötigen Lärm und nimm deinen Müll wieder mit. So bleibt die alpine Landschaft auch für kommende Wanderer wild und beeindruckend.